Südamerika
Argentiniens finanzieller Neustart

Argentinien will seinen "Holdout"-Gläubigern 23 Mrd. Dollar bezahlen. Das ist wenig großzügig, wird dennoch eine 60-prozentige Zustimmung finden. Dank des besonnenen Finanzministers Amado Boudou und dem liquiden Markt könnte das Land bis Jahresende einen neuen Schuldendeal einfädeln. Anleger sollten vorsichtig bleiben - an diesem Punkt waren sie schon einmal.
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Boudou versucht, die Marktfeindlichkeit seiner Vorgänger zu mäßigen. Er plant, angesichts starker Zweifel an deren Richtigkeit, die Glaubwürdigkeit offizieller Inflationsstatistiken wiederherzustellen. Die September-Inflation wurde mit 0,7 Prozent angesetzt, die zweite relativ hohe Zahl in Folge.

Auch soll Argentinien im Ausland wieder kreditwürdig werden. Dafür muss man sich mit den Gläubigern der 23 Mrd. Dollar Staatsschulden einigen, die 2005 den Zwangsvollzug abgelehnt haben. Das neue, von Barclays, Citigroup und Deutsche Bank vorgestellte Angebot ist recht mickrig und nach heutigem Stand nur etwa 30 Prozent des Deals von 2005 wert. Zudem sollen institutionelle Gläubiger eine Mrd. Dollar an frischem Kapital borgen.

Die genannten Banken kontrollieren 40 Prozent der "Holdout"-Schulden, also liegt Boudou mit der Annahme einer 60-prozentigen Zustimmung recht niedrig. Investoren könnten versuchen, die Ankunft einer marktfreundlicheren Regierung abzuwarten. Doch Präsidentin Cristina Kirchner ist bis Dezember 2011 gewählt und es gibt keine Garantie für Kapitalmarkt-freundlichere Nachfolger - insbesondere, wenn Haushaltslöcher mit ausländischem Geld gestopft wurden. Das Risiko, für mehrere Jahre auf illiquiden Titel zu sitzen, wird das Prinzip überwiegen, ein Land mit 45 Mrd. Dollar an Rücklagen zum Schuldenzahlen zu zwingen.

Argentiniens Krise von 2001 war nach 1828, 1890 und 1982 die vierte ihrer Art. Die Käufer neuer argentinischer Staatsanleihen strahlen deshalb einen etwas unangebrachten Optimismus aus. Doch bei dieser flüssigen Marktlage werden Investoren trotzdem kräftig zugreifen, wenn nur die Rendite stimmt. Gebrannte Kinder scheuen das Feuer eben doch nicht immer.

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