Südkorea
Der Osten schlägt den Westen

Die neuen Zahlen zum südkoreanischen BIP deuten auf eine dynamische Erholung hin. Der Zusammenbruch des weltweiten Handels vor einem Jahr hatte die asiatischen Volkswirtschaften zwar stärker in Mitleidenschaft gezogen als etwa die USA. Doch der dadurch entstandene langfristige Schaden scheint nicht so groß zu sein wie der, den die Finanzkrise im Westen angerichtet hat.
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Die asiatischen Volkswirtschaften erholen sich schneller als viele im Westen. Den jüngsten Beleg dafür liefern die Zahlen zum südkoreanischen Bruttoinlandsprodukt (BIP), das im dritten Quartal um 2,9 Prozent gegenüber Vorquartal und damit zu einer Jahresrate von zwölf Prozent gewachsen ist. Dies lässt auf eine dynamische Erholung schließen, wobei auch die wirtschaftlichen Fundamentaldaten diese Annahme stützen. Der Zusammenbruch des weltweiten Handels vor einem Jahr hatte asiatische Volkswirtschaften stärker in Mitleidenschaft gezogen als, sagen wir, die USA. Doch der dadurch entstandene langfristige Schaden scheint nicht so groß zu sein wie der, den die Finanzkrise im Westen angerichtet hat.

Im März waren die südkoreanischen Ausfuhren binnen Jahresfrist um 22 Prozent gesunken. Japan, Indien und China hatten ebenfalls umfangreiche Rückgänge verbucht. Gleichzeitig hatten die meisten Länder Asiens allerdings nur mit sekundären Auswirkungen der Bankenkrise zu kämpfen, die die westlichen Volkswirtschaften befallen hat. Südkorea zum Beispiel erlitt einen Wechselkursschock, weil die Banken des Landes Dollar aufgenommen hatten und Kredite vergaben, die auf den nachgebenden Won lauteten.

Gleichwohl hatte die ausgeprägte Abhängigkeit der asiatischen Volkswirtschaften vom internationalen Handel es als wahrscheinlich erscheinen lassen, dass ihre Rezessionen ernst und von langer Dauer sein würden. Japan und Südkorea etwa registrierten im vierten Quartal 2008 drastische Einbrüche beim BIP, wobei sich diese Entwicklung in Japan auch im ersten Quartal 2009 fortsetzte.

Schließlich erwies sich der Fall des Welthandels aber als vorübergehend und größtenteils als Ergebnis aus Lagerbestandsreduzierungen und der begrenzten Verfügbarkeit von Handelsfinanzierungen. Selbst Japan, das jüngst noch die am langsamsten wachsende unter den führenden Volkswirtschaften Asiens stellte, zeigte im zweiten Quartalm ein positives Wirtschaftswachstum und dürfte auch im dritten Quartal weiter zugelegt haben.

Südkorea präsentiert sich in besonders guter Verfassung mit einem zügigen Wachstum und einem für 2009 erwarteten Budgetdefizit von nur 4,5 Prozent des BIP. Die für die Geldpolitik des Landes Zuständigen werden vielleicht die Zinsen anheben müssen - so wie es Australien jüngst vorexerziert hat -, um das Wachstum der Geldmenge M3 abzubremsen, das im Jahr per August bei 8,9 Prozent gelegen hatte. Sie werden die Leitzinsen, die derzeit bei zwei Prozent liegen, über das Niveau der berichteten Inflation von 2,2 Prozent hieven müssen. Aber die zweistellige jährliche Wachstumsrate des Landes in den beiden letzten Quartalen, auch wenn diese einen beträchtlichen Umschwung bei den Lagerbeständen umfasst, deutet auf eine Volkwirtschaft in einer robusten Erholungsphase hin.

Ein weiterer Abschwung der weltweiten Wirtschaftsaktivitäten, der die Exporte nach Europa und in die USA beeinträchtigen würde, könnte den Trend vielleicht umkehren. Doch davon einmal abgesehen sind Südkorea, Singapur und Hongkong in den jüngsten Quartalen allesamt mit zweistelligen Jahresraten gewachsen und China hat damit fast gleichgezogen. Daher ist es wahrscheinlich, dass sich die Erholung in Asien fortsetzt.

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