Südkorea
Nicht nach amerikanischem Geschmack

Die Intervention der südkoreanischen Regierung zur Stützung des Won könnte die Landeswährung stärken und die Teuerung gedrückt halten. Sowohl das Budget als auch die Zahlungsbilanz des Landes weisen Überschüsse aus und die Inflation ist nahezu vollständig importiert. Ein ähnlicher Schritt für die USA würde allerdings nicht funktionieren.

Nach der Intervention der südkoreanischen Regierung zur Stützung des Won im Volumen von einer Mrd. Dollar ist die Landeswährung am Dienstag um 1,5 Prozent gestiegen. Diese Entwicklung könnte sich fortsetzen. Der Etat und die Zahlungsbilanz des Landes weisen einen moderaten Überschuss auf, während die Inflation weitgehend auf den schnellen Preiszuwachs bei importierten Rohstoffen zurückzuführen ist. Das macht Eingriffe zur Steuerung der Währung in Südkorea potenziell effektiv. In den USA würden sie dagegen nicht greifen, da das Budget und die Zahlungsbilanz dort tief in den roten Zahlen verharren und die Zinsen weit unter der Teuerung liegen.

Der Won ist in diesem Jahr gegenüber dem Dollar um acht Prozent gefallen, da die Anleger wegen der Abhängigkeit Südkoreas von den Exporten in die USA besorgt waren. Bis zum Mai waren die Importpreise um 45 Prozent geklettert und haben so die Binnenmarktpreise nach oben getrieben. Die Preise für Rohmaterialien und Zwischenprodukte sind um 35 Prozent vorgerückt. Die südkoreanische Verbraucherpreisinflation liegt nun trotz der Preiskontrollen im Bereich Energie, die den Preisauftrieb etwas dämpfen, bei fast fünf Prozent.

Die Regierung befürchtet, die Wirtschaft könnte sich gegen Ende des Jahres abkühlen. Sie scheut davor zurück, die inländischen Zinsen anzuheben, die real gerechnet zwar in der Pluszone liegen, aber nur ganz knapp. Angesichts der Überschüsse bei der Zahlungsbilanz und beim Etat kann sich Südkorea selbst nach einem jüngst verabschiedeten Konjunkturpaket eine Intervention am Devisenmarkt erlauben. Und sie könnte dämpfend auf die Inflation einwirken und die Notwendigkeit für weitere Zinserhöhungen vermindern.

Die USA stehen ganz anders da. Das US-Leistungsbilanzdefizit lag im ersten Quartal bei 176 Mrd. Dollar bzw. bei fünf Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Der Budgetfehlbetrag des Landes ist beträchtlich und wächst weiter. Die US-Notenbank Federal Reserve hat die kurzfristigen US-Zinsen weit unter die Inflationsrate gedrückt und damit die Teuerung angeheizt. Den USA stehen daher nur begrenzte Mittel zur Gegenwehr zur Verfügung. Eine Devisenmarktintervention zur Stützung des Dollar wäre nicht nur teuer, sondern wahrscheinlich auch vergebens. Sie würde gegen die feindlichen Kräfte des Zahlungsbilanzdefizits und der Steuer- und Geldpolitik antreten müssen.

Die US-Erzeugerpreise sind im bisherigen Jahresverlauf bis Mai um 7,2 Prozent geklettert. Die beste Option für die USA, die Inflation unter Kontrolle zu bekommen, sind höhere Zinsen. Anders als in Südkorea würde eine Intervention am Devisenmarkt nicht funktionieren.

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