S&P/Banken
Ratingagentur geht neue Wege

Die Rating-Agentur S&P hat während des Booms die Auswüchse bei strukturierten Kreditprodukten zu nachsichtig betrachtet. Die neue S&P-Analyse zur angemessenen Eigenkapitalausstattung der Banken könnte den Investoren einen einheitlichen weltweiten Maßstab an die Hand geben – und dem angeschlagenen Ruf der Agentur wieder aufhelfen.
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Ein wenig positive Publicity würde Standard & Poor?s gut tun. Zusammen mit ihren global agierenden Branchenkollegen war die Rating-Agentur zu einem der Prügelknaben der Kreditklemme abgestempelt worden. Denn die Bonitätsprüfer hatten strukturierten Kreditpapieren die Höchstnote "AAA" zugebilligt, die sich später als Schrott erwiesen. S&P könnte einen Weg gefunden haben, ihren Ruf wieder etwas aufzupolieren - und zwar indem sie genau die Art von unparteiischer Analyse abliefert, mit der sie ursprünglich überhaupt erst zu Rang und Namen gekommen war.

S&P hat einen einheitlichen Maßstab angelegt, um die Kapitalstärke der 45 führenden Banken der Welt zu eruieren. Die Agentur bedient sich dabei des gleichen Ansatzes wie die Finanzinstitute und deren Aufsichtsbehörden und berechnet die "risikobereinigte Kapitalquote", kurz RAC. Doch S&P kommt zu dem Ergebnis, dass die durchschnittliche globale Kapitalquote bei 6,6 Prozent liegt - und damit ganze drei Prozentpunkte unter dem berichteten Mittelwert für das Tier 1-Kapital.

Die Abweichung ergibt sich größtenteils aus der zukunftsgerichteten Vorgehensweise, die S&P anwendet. Dabei wurde versucht, wahrscheinliche aufsichtsrechtliche Reformen nach der Krise zu berücksichtigen. Im Besonderen werden die Banken, die sich auf hybride Schuldtitel verlassen, um ihre Kapitalreserven aufzustocken, schlechter bewertet und es werden höhere Belastungen für antizyklisches Kapital, für Töchter und Marktrisiken angerechnet.

Einige der Ergebnisse überraschen kaum. Die in London notierte HSBC verfügt über eine sehr solide Kapitalausstattung. Aber die risikobereinigte Kapitalquote der schweizerischen UBS beträgt nur 2,2 Prozent gegenüber den von ihr berichteten 13,2 Prozent. Diese Berechnung basierte allerdings auf der Bilanz vom Juni. Seitdem wurde die RAC der UBS mittels einer Kapitalerhöhung auf ein akzeptables, wenngleich nicht übermäßig starkes Niveau von 7,1 Prozent gehievt.

Derlei Pannen werden ausgebügelt werden, wenn die Quoten im kommenden Quartal neu berechnet werden. Sie sollten den Maßstab der S&P nicht gleich in Misskredit bringen, der eine beträchtliche Lücke im globalen aufsichtsbehördlichen Bezugsrahmen schließt. Die Investoren stehen Berechnungen skeptisch gegenüber, die die Banken selbst oder nationale Regulierungsbehörden erstellt haben. Selbst nach ihren Schwierigkeiten mit strukturierten Kreditprodukten genießen die großen Rating-Agenturen den Ruf, neutral zu sein.

Die von S&P herangezogenen Daten basieren auf denselben Offenlegungsanforderungen der dritten Säule der Eigenkapitalempfehlung des Baseler Ausschusses für Bankaufsicht, denen die Banken folgen. Die Ergebnisse mögen für einige Banken unfair ausfallen. Aber solange jeder Staat und oft auch jede Bank die Kapitalstärke auf unterschiedliche Weise ermittelt, hat die RAC gute Chancen zum bevorzugten Maßstab der Anleger zu werden.

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