Super-Fonds
Rettungsnetz mit Löchern

Ein von Investmentbanken getragenes Conduit soll Vermögenswerte von Investmentvehikeln für strukturierte Produkte (SIVs) kaufen und damit das Vertrauen der Gläubiger wiederherstellen. Wird damit der Tag der Abrechnung nur aufgeschoben?

Das US-Finanzministerium will einen großen, von Banken unterstützten Fonds einrichten, der Vermögenswerte von liquiditätsarmen Investment-Vehikeln für strukturierte Produkte (SIVs) kauft. Dieser Plan sieht auf den ersten Blick clever aus. SIVs werden zum großen Teil mit kurzfristigen Schuldtiteln, nämlich forderungsbesicherten Commercial Paper (ABCP), finanziert und investieren in eine Reihe von Vermögenswerten mit längerer Laufzeit, wie Hypotheken und forderungsbesicherte Wertpapiere (ABS). Als die Anleger im Sommer anfingen, die Qualität der Vermögenswerte der SIVs in Zweifel zu ziehen, wurde die Refinanzierung der ABCP schwierig. Die SIVs sahen sich gezwungen, Aktiva zu verschleudern, um ihre Gläubiger zu bezahlen.

Der neue Rettungsfonds mit dem Namen "Master Liquidity Enhancing Conduit, kurz M-Lec, soll genau das verhindern. So soll das Vertrauen der Investoren so weit wiederhergestellt werden, dass sie wieder ABCP kaufen. Aber der Plan könnte den Kreditengpass verschärfen, wenn die Kreditmärkte neuen Turbulenzen ausgesetzt sind.

Wie das? Nun, M-Lec kauft nur Vermögenswerte mit erstklassiger Bonitätsbewertung. Tatsächlich könnte sich der Auffangfonds - abhängig vom Interesse der SIVs - bis zu 100 Mrd. Dollar einverleiben. Getragen wird der Rettungsfonds von Citigroup, JPMorgan und Bank of America, die sich teilweise zur Übernahme nicht platzierbarer Schuldtitel verpflichtet haben. Sie und andere Banken dürften auch eigenes Kapital investieren. Ein Großteil dieser Käufe soll durch die Neuemission von ABCP finanziert werden.

Ein großer neuer ABCP-Emittent, der von drei Bank-Giganten unterstützt wird und den Segen des US-Finanzministeriums hat, könnte ein Menge Nachfrage auf sich ziehen, besonders wenn Turbulenzen auf den Kreditmärkten die nervösen Anleger in die Flucht schlagen. Wenn SIVs jetzt mit M-Lec um die Dollar der Investoren konkurrieren müssen, haben sie es womöglich noch schwerer, selbst eine erfolgreiche Finanzierung auf die Beine zu stellen.

Und die SIVs, die ihre erstklassig eingestuften Vermögenswerte an M-Lec verkaufen, werden sich bei ihren verbliebenen CP-Investoren nicht gerade beliebt machen. Die bleiben nämlich auf ihren Engagements in Vehikel sitzen, die dann größere Konzentrationen an Vermögenswerten aufweisen, die vielleicht als risikoreicher eingeschätzt werden. Die SIVs werden vermutlich versuchen, Investoren anzulocken, indem sie höhere Renditen als M-Lec bieten. Aber wenn traditionell konservative CP-Anleger im Verkauf von Anlagen durch einen SIV den Beginn einer einsetzenden Todesspirale sehen, dann bleiben sie vielleicht sowieso in der Mehrzahl weg.

Warum macht man sich also die ganze Mühe mit dem M-Lec? Nun , wenn SIVs zu sehr leiden, dann müssen sie die Kreditlinien ihrer Banken anzapfen. Damit besteht die Gefahr, dass Kreditkapazitäten, die vom Rest der Wirtschaft gebraucht werden, gebunden werden.

Wenn SIVs schwer ins Stolpern geraten, werden die Banken hinter ihnen einen Großteil der Vermögenswerte in die eigene Bilanz hereinnehmen müssen. Wenn M-Lec das abwenden kann, bis die ABCP-Investoren ihren Appetit wieder erlangt haben, dann werden die Banken und ihre Aufsichtsbehörden erleichtert aufatmen. Wenn sich aber das Vertrauen der Anleger nicht erholt, dann hat M-Lec den Tag der Abrechnung nur aufgeschoben.

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