Systemrisiken
Weiter so, Corrigan

Eine einflussreiche Wall Street-Gruppe hat eine Stärkung der Richtlinien und Institutionen für komplexe Derivate gefordert, um Systemrisiken zu minimieren. Zwei vorhergehende Vorstöße der Counterparty Risk Management Policy Group III waren nur bedingt erfolgreich. Aber die derzeitige Krise könnte dazu führen, dass die Chancen auf eine Umsetzung dieser notwendigen Reformen steigen.

Die Counterparty Risk Management Policy Group III (CRMPG III) hat einen Bericht herausgegeben, wie die Richtlinien und Institutionen um riskante Finanzinstrumente gestärkt werden können, um Systemrisiken zu minimieren. Ihr Name mag nicht gerade aufregend klingen, aber die Gruppe hat Einfluss - sie wird von den meisten Firmen der Wall Street gestützt. Allerdings waren zwei vorhergehende Berichte nur bedingt erfolgreich. Angesichts der gegenwärtigen Finanzkrise jedoch könnten die Chancen steigen, dass diese notwendigen Reformen tatsächlich umgesetzt werden.

CRMPG III, die gemeinsam von Gerald Corrigan, dem ehemaligen Präsidenten der New Yorker Niederlassung der Federal Reserve und Managing Director von Goldman Sachs , und dem Finanzdirektor von HSBC, Douglas Flint, geleitet wird, hat einige vernünftige Dinge gefordert. Außerbilanziell geführte Vehikel sollten weitgehend in die Bilanz hereingenommen werden. Es sollte ein Standardverfahren für die zwangsweise Liquidation einer Terminposition bei Zahlungsverzug der Gegenpartei eingeführt werden. Die Überwachung der Risiken der Gegenparteien müsse umfassender gestaltet und leichter zugänglich gemacht werden.

Hochriskante, komplexe Finanzinstrumente sollten nur an Investoren verkauft werden, die über ein wirklich ausgeklügeltes Fachwissen verfügen. Und es sollten bessere Belastungstests vorgeschrieben werden, um mögliche Liquiditätsabflüsse zu messen.

Diese Bemühungen bauen weitgehend auf den Empfehlungen der ersten beiden CRMPG-Berichte auf, wobei die erste Untersuchung nach dem Beinahe-Zusammenbruch des Hedge Fonds Long Term Capital Management 1998 herausgegeben worden war. Die Vorstöße der Gruppe erbrachten zwar auf Gebieten wie der Abrechnung von Handelsabschlüssen einige Erfolge, konnten aber auf anderen wichtigen Feldern kaum etwas bewirken.

Die Tatsache, dass sich die US-Notenbank verpflichtet gefühlt hatte, Bear Stearns zu retten, weil die Bank durch ihre Derivatpositionen zu komplex geworden war, um zu scheitern, zeigt, warum man Corrigan und Konsorten schon früher hätte beachten sollen. Die jüngsten Abschreibungen über mehrere Milliarden Dollar bei den Banken sollten dieses Mal dafür sorgen, dass den Reformen eine echte Chance eingeräumt wird, statt sie erneut unter den Teppich zu kehren.

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