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Systemrisiko: Detroit am Abgrund

General Motors (GM) geht das Geld aus. Die Chancen verschlechtern sich, dass der Autobauer einen Antrag auf Gläubigerschutz vermeiden kann. Aber GM dürfte nicht alleine untergehen. Ford und Chrysler werden folgen.

von Rob Cox, Antony Currie und breakingviews.com

Fluggesellschaften stürzen gewöhnlich wie Dominosteine in die Pleite - eine nach der anderen. Der Grund dafür liegt auf der Hand: In einer von starkem Wettbewerb gekennzeichneten Branche verleiht der unter Kapitel 11 der US-Konkurs- und Vergleichsordnung gewährte Gläubigerschutz der betreffenden Firma einen Vorsprung vor den Konkurrenten. Die Autoindustrie unterscheidet sich zwar in vielerlei Hinsicht von den Fluggesellschaften, aber sie könnte leicht derselben Dynamik zum Opfer fallen. Das ist allerdings nur einer der Gründe, warum sich die Investoren, die Politiker und die Kunden auf einen Dreifach-Unfall in Detroit einstellen sollten.

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General Motors, Ford Motor und Chrysler beteuern vehement, dass sie es nicht in Erwägung ziehen, einen Neustart herbeizuführen, indem sie einen Insolvenzantrag stellen. Das sieht nach Wunschdenken aus, besonders bei GM, der scheinbar die Optionen für die Finanzierung ihres Geschäfts ausgegangen sind. Die Pläne, die sie vor ein paar Monaten auf den Tisch gelegt hatte und die von besicherten Krediten bis hin zu einer Kapitalerhöhung reichen, sind angesichts der außergewöhnlichen Verwerfungen auf den Kredit- und Aktienmärkten aller Voraussicht nach nicht mehr umsetzbar.

GM verbrennt jeden Monat Bares über etwa eine Mrd. Dollar, so dass der Lenker von Chevy, Pontiac, GMC, Buick, Saab, Hummer und anderen Marken das Ende 2009 nicht als solvente Gesellschaft erreichen dürfte. Und angesichts der jüngsten Beschleunigung beim Rückgang des US-Autoabsatzes ist es tatsächlich schwer vorstellbar, wie sich GM auch nur bis zum nächsten Sommer die Zahlungsfähigkeit bewahren will.

Ford sollte einen etwas größeren Spielraum haben. Der Autobauer verfügt über mehr Liquidität, seine Bereiche sind nicht so groß und er könnte zur Not immer noch die Tochter Volvo verkaufen. Und die Unterstützer von Chrysler bei der Beteiligungsgesellschaft Cerberus haben natürlich immer die Möglichkeit, noch einmal in die eigene Tasche zu greifen. Aber die Aussicht auf eine GM-Pleite könnte ausreichen, um beide davon abzubringen, bei diesen Optionen, die möglicherweise die letzte Rettung wären, tatsächlich den Auslöser zu drücken.

Unter dem in Chapter 11 gewährten Gläubigerschutz könnte GM das kopieren, was die Fluggesellschaften wieder und wieder vorexerziert haben: Der Autohersteller könnte Versprechungen an seine Mitarbeiter und Pensionäre widerrufen und sogar einige dieser Verbindlichkeiten über die Pension Benefit Guarantee Corp., die Garantieversicherungsgesellschaft für Pensionskassen, der Regierung zuschieben. Die Firma könnte auch ihre Verbindungen zu ihrer Armee von 7000 Autohändlern kappen: Es ist kaum wahrscheinlich, dass ein Insolvenzgericht vor allem den bestürzten Händlern von Marken wie Pontiac und Buick, die gekillt werden müssen, Ausgleichszahlungen zukommen lässt.

Indem sich GM auf weniger Marken, die dafür umso stärker sind, konzentriert, würde das Unternehmen beträchtliche Produktions- und Marketingkosten einsparen, was gegen die Rivalen Chrysler und Ford eingesetzt werden könnte. Am Himmel zumindest funktioniert das gewöhnlich so. Bisher hat ein Carrier, wenn er Gläubigerschutz beantragt und daher Mitarbeiter- und andere Kosten gekürzt hatte, auf wettbewerbsträchtigen Routen immer die Preise der Wettbewerber unterlaufen. Die Konkurrenten mussten dann schließlich selbst einen kompletten Neustart vornehmen.

Doch die Kosten allein bringen den Dominostein nicht zum Kippen. Egal, welcher der großen Drei letztendlich Gläubigerschutz beantragen würde - die Autoteilezulieferer, von denen sie alle abhängen, würden auf jeden Fall in Bedrängnis geraten. Der insolvente Autohersteller würde versuchen, die Preise, die er für die Teile zahlt, zu drücken, während sich die Zulieferer wahrscheinlich zusammen mit anderen ungesicherten Gläubigern in die Schlange stellen müssten, um auf die Begleichung unbezahlter Schulden zu warten. Tatsächlich könnten die Auswirkungen auf die Zulieferer selbst solidere Autobauer in Amerika, wie etwa Toyota, infizieren und beeinträchtigen.

Sicher, die Überlebenden könnten die finanziellen Schwierigkeiten und den Insolvenzantrag eines Konkurrenten als Marketing-Werkzeug einsetzen. Wenn GM Gläubigerschutz beantragen würde, könnte Ford Ängste schüren, GM würde seine Garantien nicht mehr einlösen oder bei der Qualität schlampen. Aber wenn dieser Ansatz bei den Fluggesellschaften schon nicht gegriffen hat - bei denen man davon ausgehen sollte, dass Sicherheitsaspekte von überragender Wichtigkeit sind, - dann gibt es kaum Gründe, warum dies dann auf dem Boden funktionieren sollte.

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