T-Mobile UK
Deutsche Telekom: Ein Fuß in der Tür

Die Deutsche Telekom will ihr britische Mobilfunkgeschäft in ein Joint-Venture mit France Télécom einbringen. Ein Verkauf an die Konkurrenten Vodafone oder Telefonica unter dem Buchwert von 4,5 Mrd. Pfund wäre schmerzhaft gewesen. Das Joint Venture mit der erfolgreicheren britischen Tochter von France Telecom würde zu einer Marktkonsolidierung beitragen, ohne dabei Vorteile zu verschenken.
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Ein sauberer Abgang ist nicht immer unbedingt der beste. Die Deutsche Telekom hat die Optionen für ihre britische Mobilfunktochter T-Mobile UK geprüft, der es an Größe mangelt. Sowohl Vodafone als auch die spanische Telefonica haben angeblich Gebote vorgelegt, die jeweils hinter dem derzeitigen Buchwert des Bereichs von 4,5 Mrd. Pfund Sterling zurückbleiben. Ein direkter Verkauf an diese Konkurrenten wäre also schwer verdaulich gewesen.

Das Problem der Deutschen Telekom besteht darin, dass die britische Mobilfunktochter zu klein ist, um in einem überlaufenen Markt gedeihen zu können. Im Mai hatte die Telekom bereits eine Goodwill-Abschreibung über 1,5 Mrd. Pfund bei der Sparte vorgenommen, nachdem sie in einem anhaltenden Preiskrieg Kunden verloren hatte. T-Mobile verfügt hinsichtlich der Einnahmen über einen Marktanteil von nur 15 Prozent und liegt damit weit abgeschlagen hinter O2 von Telefonica mit einem Marktanteil von 27 Prozent, Vodafone mit einem Anteil von 24 Prozent und Orange von France Télecom mit 22 Prozent. Das Ergebnis: Die britische Telekom-Tochter erreicht beim Ergebnis vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen eine Marge von nur etwa der Hälfte der 30 Prozent, die das Unternehmen im Durchschnitt in anderen europäischen Ländern verbucht.

Doch ein vollständiger Verkauf, der mit einer weiteren Abschreibung verbunden wäre, ließe darauf schließen, dass Telekom-Chef René Obermann zu optimistisch war, als er den Bereich vor ein paar Monaten bewertete. Außerdem würde er wohl nur widerstrebend seinen britischen Rivalen die Vorteile eines verringerten Wettbewerbs überlassen, die auch in anderen Regionen mit der Deutschen Telekom im Wettstreit stehen. Und selbst wenn die Telekom an einen der beiden Marktführer hätte verkaufen wollen, hätte die britische Branchenaufsicht Ofcom den Deal vielleicht nicht abgesegnet.

Da hat die France Télécom eine attraktive Alternative zu bieten: Ein Joint-Venture zwischen T-Mobile UK und Orange UK. Die Bereiche passen gut zusammen. Beide nutzen dieselbe Bandbreite und eine Zusammenlegung würde Kostensynergien schaffen. Darüber hinaus würde eine Kombination des dritt- und viertgrößten Mitspielers ein Unternehmen ins Leben rufen, das einen Marktanteil von etwa 37 Prozent erzielen kann – groß genug, um wettbewerbsfähig zu sein, aber möglicherweise klein genug, um den Anforderungen der Ofcom zu genügen.

T-Mobile UK würde in einem Gemeinschaftsunternehmen die Rolle des Juniorpartners einnehmen. Ihr Geschäft ist kleiner als das von France Télécom und die Franzosen sind nicht bereit, sich von Cash zu trennen. Doch die beiden Muttergesellschaften sollten einen ähnlichen strategischen Ansatz verfolgen. Und Obermann könnte zudem beabsichtigen, sein Engagement in einem gewissen Ausmaß für den Fall aufrecht zu erhalten, dass der britische Mobilfunkmarkt rentabler wird. Der Deal mag nicht ideal sein, aber die Deutsche Telekom sollte die Gelegenheit ergreifen, die Orange bietet.

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