Taiwan/China
Auf einem guten, aber schmalen Weg

Die ICBC, die größte Bank Chinas, könnte sich für drei Mrd. Dollar an der taiwanischen Cathay Financial beteiligen. Die taiwanische Fubon wiederum hat eine Offerte für einen Anteil an der chinesischen Investmentbank CICC vorgelegt. Diese Abschlüsse würden zwar ein Tauwetter in den Beziehungen zwischen dem Festland und der Inselrepublik signalisieren, wären allerdings eher symbolischer als strategischer Natur. Denn Minderheitsbeteiligungen werden den Käufern kaum konkrete Vorteile einbringen.
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Chinesische und taiwanische Unternehmen bereiten sich darauf vor, enger zusammenzurücken. Die ICBC, die größte Bank Chinas, verhandelt darüber, sich für drei Mrd. Dollar an der taiwanischen Cathay Financial zu beteiligen. In der umgekehrten Richtung könnte die Finanzgruppe Fubon einen Anteil an der CICC, einer der führenden Investmentbanken des chinesischen Festlands, vom Wall Street-Riesen Morgan Stanley erwerben. Diese Bahn brechenden Abschlüsse würden zwar ein Tauwetter in den Beziehungen zwischen dem Festland und der Inselrepublik signalisieren, den Käufern jedoch nur wenige konkrete Vorteile einbringen.

Festlandsinvestitionen in Taiwan waren bislang ein Tabu. Doch ein Jahrzehnt der Kapitalabflüsse und die Finanzkrise haben aus China einen attraktiveren Bündnispartner gemacht. Eine im November erzielte Übereinkunft ebnete den Finanzfirmen den Weg dafür, jenseits der Meerenge zu investieren. Die ersten beiden Deals, die gemäß der neuen Vereinbarung angedacht sind, muten allerdings eher symbolisch denn strategisch an. Beide Käufer sollen jeweils Minderheitsbeteiligungen erhalten - 20 Prozent an Cathay und 34 Prozent an CICC - und zwar ohne die Aussicht darauf, die Kontrolle übernehmen zu können. Morgan Stanley zieht sich aus ihrem Engagement bei der CICC eben deswegen zurück, weil die US-Bank keinen Einfluss auf das willensstarke Management nehmen konnte.

Zudem überzeugt keine der beiden Kombinationen durch zwingende Logik. Fubon, eine auf Privatkunden ausgerichtete Bank und ein Versicherungsanbieter, käme über die CICC wirtschaftlich zwar mit dem schnell wachsenden Wertpapiermarkt Chinas in Berührung, für Synergien besteht allerdings kaum Potenzial. Und der Preis bei einer Auktion könnte hoch ausfallen. Fubon könnte vielleicht mehr von einer partnerschaftlichen Verbindung mit kleineren, weniger prominenten Festlandsfirmen profitieren, so wie sie es bereits mit der Xiamen Commercial Bank, bei der sie die Management-Kontrolle inne hat, praktiziert hat.

Die ICBC wiederum würde ihr Kapital und ihre Aufmerksamkeit vom schnell wachsenden chinesischen Markt auf den ausgereiften taiwanischen lenken. Die ICBC erhofft sich möglicherweise, auf diesem Wege Erkenntnisse und Kreditinformationen über die taiwanischen Kunden von Cathay zu gewinnen. Aber einige dieser Ziele ließen sich auch durch die Einrichtung einer Niederlassung in Taiwan erreichen - nur wahrscheinlich kostengünstiger.

Es erscheint längst Zeit, dass die eisigen Beziehungen endlich aufbrechen. Die Pläne von China Mobile, in die taiwanische FarEastone zu investieren, sind aufgrund von politischen Differenzen zum Stillstand gekommen. Ein Gebot der Beteiligungsgesellschaft Primus Financial für Nan Shan, die Versicherungstochter von AIG, wurde blockiert, nachdem die Aufsichtsbehörden Bedenken bekommen hatten, der Deal könnte zum Trojanischen Pferd für Investoren vom chinesischen Festland werden. Nach all diesen Enttäuschungen wäre es begrüßenswert, wenn die Verhandlungen über ihr Frühstadium hinauskämen und umgesetzt würden - nicht so sehr aufgrund der finanziellen Logik der Abschlüsse, sondern eher wegen ihres symbolischen Werts.

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