Tata-Jaguar
Ford biegt falsch ab

Tata steht kurz vor dem Abschluss des Kaufs der britischen Ford-Luxusmarken, wahrscheinlich für mehr als zwei Milliarden US-Dollar. Der Preis reflektiert den überraschend positiven Umschwung bei Land Rover. Tata nimmt ein großes Risiko in Kauf. Doch Ford wäre besser beraten, wenn man die in größeren Schwierigkeiten steckende Premium-Marke Volvo verkaufen würde.

Ford könnte den Verkauf seiner britischen Luxusmarke Land Rover noch bereuen. Die indische Tata Motors steht kurz vor dem Kauf von Land Rover und Jaguar. Ford braucht das Geld, um das Ruder bei seinen US-Kernmarken Ford, Lincoln und Mercury herumzuwerfen. Doch im vergangenen Jahr erwies sich Land Rover als Juwel, obwohl die Probleme bei Jaguar dies verdeckten. Land Rover könnte die Risiken aufwiegen, denen sich Tata gegenübersieht.

Land Rover verkaufte 226 395 Fahrzeuge im vergangenen Jahr, das ist ein Anstieg um 17,6 Prozent gegenüber 2006. Ford weist die Einzelergebnisse der Marken in seiner Premier Automotive Group nicht aus, die auch Volvo einschließt, ebenso wie Land Rover und Jaguar. Doch man teilt mit, dass die Premium-Gruppe 2007 einen Betriebsgewinn von 504 Millionen US-Dollar erzielt hat. Seitdem Ford einräumt, dass Jaguar und Volvo Geld verlieren, schätzen Analysten den Betriebsgewinn von Land Rover im letzten Jahr auf eine Milliarde US-Dollar. Das entspricht einem Gewinn je Fahrzeug von fast 4.500 US-Dollar – solche Gewinnspannen werden sonst nur von Porsche und den Lexus-SUV-Fahrzeugen erreicht.

Neue Modelle haben Land Rover geholfen, die Marke hat ein breites, vier Baureihen umfassendes Portfolio. Das ist mehr als bei jedem anderen Geländewagen-Hersteller. Die Verkäufe der Marke sind geografisch gut ausgewogen: Der Umsatz stieg letztes Jahr in Russland um 96 Prozent, in China um 143 Prozent. Volvo dagegen hat zwar seine Kostenbasis in Euro, hängt aber stark vom US-Absatz ab. Der Umschwung bei Land Rover bedeutet, dass der Endpreis für den Erwerb der Marken wahrscheinlich bei mehr als zwei Milliarden US-Dollar liegen wird. Als Ford im vergangenen Jahr Land Rover und Jaguar erstmals zum Verkauf stellte, schätzte Merrill Lynch den Kaufpreis noch auf 1.3 Milliarden US-Dollar.

Tata sieht sich allerdings noch immer mit beängstigenden Risiken konfrontiert. Die Inder haben nur Erfahrung mit volumenstarken Niedrigpreisautos, nicht mit Luxusmarken. Tata wird Ford brauchen, um weiter Motoren und andere wichtige Komponenten zuzuliefern. Die Pensionen der britischen Arbeiter müssen finanziert werden, und an der schwächelnden Marke Jaguar könnten sich die Inder die Zähne ausbeißen. Zudem bedrohen strenge EU-Emissionswerte den Absatz der Benzin fressenden Land-Rover-Fahrzeuge in Europa.

Tata sollte aber in der Lage sein, den Absatz von Land Rover außerhalb Europas weiter zu steigern. Zudem könnten – entgegen anders lautender Versprechen gegenüber britischen Gewerkschaften - irgendwann größere Produktionsteile nach Indien verlagert werden. Trotz der augenscheinlichen Bedenken einiger europäischer Ford-Manager scheint die Ford-Zentrale entschlossen, den Verkauf an Tata voranzutreiben. Doch angesichts der wieder auflebenden Marke Land Rover und den Problemen bei Volvo sollte Ford vielleicht doch noch die Richtung ändern.

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