Technologie/Pharma/Dollar
Keine Überdosis

Der Technologie-Sektor brummt, während der Dollar fällt. Die amerikanischen Pharma-Unternehmen arbeiten zwar genau so global, aber ihr Vorteil ist viel geringer. Ausländische Kunden kaufen vielleicht mehr iPhones, wenn die Preise zurückgehen, aber sie werfen deswegen kaum mehr Pillen ein.

Der Technologie-Sektor summt und brummt, während der Dollar fällt. Unternehmen von IBM bis Google haben aufgrund der sich abschwächenden US-Währung einen größeren Umsatzzuwachs verbucht als erwartet. Die amerikanischen Pharma-Unternehmen arbeiten genau so global. Warum haben Firmen wie Pfizer und Eli Lilly also weniger stark von der Dollar-Schwäche profitiert?

Dies liegt weitgehend daran, wie die Verbraucher auf die Preise reagieren. Ein fallender Dollar bedeutet, dass US-Waren im Ausland erschwinglicher werden. Für viele Technologie-Produkte gilt, dass die Nachfrage in die Höhe schießt, wenn die Preise zurückgehen. Mobilfunktelefone, zum Beispiel, waren kaum zu sehen, als sie pro Stück noch mehrere tausend Dollar kosteten. Sinkende Preise haben sie zu einem allgegenwärtigen Anblick gemacht. Westeuropäer können es sich leisten, sich immer wieder neue Handys zu kaufen.

Aber wichtiger noch: Der Preisrückgang hat dazu geführt, dass die Grundmodelle auch für Dorfbewohner in Kenia und chinesische Bauern in Frage kamen. Also nutzt die Dollar-Abwertung den amerikanischen Herstellern von Chips und Komponenten bis hin zu kompletten Telefongeräten und Computern.

In der Pharma-Branche sieht dies anders aus. Rückläufige Preise für Medikamente bringen in den entwickelten Ländern keine große zusätzliche Nachfrage hervor. Patienten, die Cholesterin-Senker einnehmen, werden deswegen nicht ihre Dosis erhöhen oder ein anderes Präparat ausprobieren. Sicher, in den sich entwickelnden Ländern könnten die Verbraucher mehr Medikamente kaufen, wenn die Preise fallen. Aber die Bedürfnisse dieser Patienten laufen eher auf billige Nachahmer-Antibiotika hinaus als auf teure Markenprodukte für Erektionsstörungen.

Darüber hinaus könnte es sein, dass die Pharma-Konzerne ihren Auslandsabsatz gar nicht so stark steigern wollen. Selbst bei einem schwachen Dollar ist der Preisunterschied zwischen in den USA und anderswo verkauften Pillen immer noch groß. Zwischenhändler können sich eine goldene Nase verdienen, wenn sie die exportierten Medikamente umgehend wieder in die USA einführen und die Einzelhandelspreise unterbieten und so die Gewinnspannen der großen Pharma-Unternehmen beeinträchtigen. Bei den Technologie-Firmen mag die Preispolitik ähnlich sein, aber in diesem Sektor ist der graue Markt weniger problematisch. Software in kyrillischer Schrift verkauft sich in Arizona nicht so gut und eine Internet-Suche in Bangkok kann nirgendwohin exportiert werden.

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