Teilprivatisierung
Bringt Areva an die Börse

Seit zwei langen Jahren wartet Areva nun darauf, dass Staatspräsident Sarkozy einen Weg findet, um die Investitionspläne des staatlichen Atomkraftwerksbauers über zehn Mrd. Euro zu finanzieren. Das Unternehmen braucht ernst zu nehmende Anteilseigner. Und diese sind am besten auf den Aktienmärkten zu finden. Es wird Zeit für eine Teilprivatisierung.
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Der französische Staatspräsident Nicolas Sarkozy kann sich einfach nicht entscheiden, wie die Zukunft von Areva aussehen soll. Das kommt den staatlichen französischen Atomkraftwerksbauer teuer zu stehen. Die zu 90 Prozent dem Staat gehörende Gruppe ist jetzt schon seit zwei Jahren matt gesetzt und wartet auf eine Entscheidung der französischen Regierung, wie sich ein über mehrere Jahre angelegtes milliardenschweres Investitionsprogramm am besten finanzieren lässt.

Die derzeitige Areva-Chefin Anne Lauvergeon hat sich schon seit langem für einen Börsengang ausgesprochen. Sarkozy schien bei seiner Wahl zum Präsidenten einer Fusion mit Alstom zugeneigt. Vor fünf Jahren, als Sarkozy noch Finanzminister war, hatte er dazu beigetragen, dass der Turbinenhersteller vor der Pleite gerettet wurde.

Die Berater Sarkozys hatten alle Hände voll zu tun, ihn davon zu überzeugen, dass eine solche Fusion vielleicht keine allzu grandiose Idee wäre.

Und während die Debatte sich hinzieht, hängt Areva in der Luft. Die Kraftwerksbauer müssen für Investitionen in den kommenden vier Jahren zehn Mrd. Euro auftreiben, darunter 2,7 Mrd. Euro im laufenden Jahr. Dazu kommen noch einmal etwa zwei Mrd. Euro, die die Firma zahlen muss, um den Anteil von Siemens am Areva-Bereich Atomkraftwerke aufzukaufen. Die Deutschen müssen verkaufen, nachdem sie einen Vertrag mit der staatlichen russischen Nuklearbehörde unterzeichnet haben, der einen mächtigen Konkurrenten für Areva ins Leben ruft.

Die Regierung hat die Investitionspläne von Areva zwar gebilligt, aber nicht gesagt, woher das Geld dafür kommen wird. Der Staat selbst ist knapp bei Kasse und will, dass Areva ihre Beteiligungen an einer Reihe von französischen Unternehmen, von Total bis Gdf-Suez, abstößt. Doch diese Anteile haben im vergangenen Jahr etwa drei Mrd. Euro an Wert eingebüßt. Die Unentschlossenheit hat ihren Preis.

In den vergangenen Wochen machten neue Gerüchte die Runde. Die Franzosen halten Berichten zufolge Ausschau nach ein paar freundlich gesinnten Fonds im Nahen Osten, die beim Atomspiel mitmischen wollen. Iran steht dabei vermutlich nicht auf der Liste. Aber es ist schwer vorstellbar, warum sich die Staatsfonds von Kuwait oder Abu Dhabi für die einzigen notierten Instrumente von Areva interessieren sollten: stimmrechtslose Aktien, die derzeit weniger als vier Prozent des Kapitals ausmachen.

Es wird Zeit für Areva, ernst zu nehmende Anteilseigner aufzutreiben. In seiner derzeitigen Verkörperung trifft das auf den französischen Staat nicht zu. Der einzig stringente Weg, das Unternehmen wieder fit zu machen, ist eine echte Börsennotierung. Es wird Zeit für eine Teilprivatisierung.

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