Telecom Italia
Bernabes Rückkehr

In den acht Jahren, seit Franco Bernabe bei Telecom Italia rausgeflogen ist, sind die Aktien um 60 Prozent gefallen. Das Unternehmen muss im Interesse aller Aktionäre geführt werden, nicht nur im Sinne einer Interessengruppe. Bernabe hat den Charakter und das Kaliber dafür.

Sollte der Albtraum von Telecom Italia endlich zu Ende geträumt sein? Die wahrscheinliche Rückkehr von Franco Bernabe als Vorstandsvorsitzender des in Schwierigkeiten geratenen italienischen Telefonriesen ist die beste Neuigkeit seit langer Zeit für die geplagten Aktionäre der Telecom Italia.

In den acht Jahren, seit er nach Olivettis feindlicher Teilübernahme rausgeflogen ist, sind die Aktien um 60 Prozent gefallen. Der Hauptgrund ist, dass das Unternehmen nur im Interesse einer Fraktion, gefolgt von der nächsten, geführt wurde, anstatt im Sinne aller Aktionäre. Zuerst versuchte Olivettis Roberto Colaninno zahlreiche Verdrehungen im Sinne Houdinis, um seinen Kumpels Valuta zuzuschieben. Als er feststellte, dass die Verschuldungslast zu groß ist, verkaufte er einen maßgeblichen Anteil an Marco Tronchetti Provera von Pirelli.

Tronchetti kämpfte mit den gleichen Problemen. Man sah ihn die Minderheitenaktionäre missbrauchen, damit er seinen eigenen Klüngel bedienen konnte. Außerdem ließ er das Unternehmen bluten, als er verzweifelt versuchte, seine eigenen Schulden zu finanzieren. Schließlich warf er letztes Jahr das Handtuch nach einer bitteren Auseinandersetzung mit dem italienischen Premier Romano Prodi.

Allerdings erwies sich Tronchettis Weggang als trügerische Morgendämmerung. Obwohl Spaniens Telefonica als größter Anteilseigner übernahm, haben sich die italienischen Hauptanteilseigner monatelang gezankt, wer denn nun das Unternehmen führen soll. Und der Kurs der TI-Aktie führte unbarmherzig weiter nach unten.

Diese ausweglose Situation mag nun ein Ende haben - mit Bernabe, der sehr wahrscheinlich wieder zum Vorstandsvorsitzenden ernannt wird. Was die Telecom Italia nun mehr als alles andere braucht, ist es, im Sinne aller Aktionäre geführt zu werden, nicht nur im Interesse einiger Fraktionen. Und Bernabe hat den Charakter und das Kaliber, um dies umzusetzen. Nicht nur hat er viel Erfahrung als Manager, zuerst führte er Eni, den italienischen Ölgiganten, und dann TI. Er taugt auch für niemanden als Sündenbock.

Der Albtraum von TI war eine acht Jahre währende Demonstration, warum der italienische Kapitalismus schief läuft: unangemessenes Investment, Missbrauch von Minderheitsrechten, komplexe Machenschaften und politische Einmischung. Wenn Bernabe die Kontrolle übernimmt und die TI als eine eigentliche Aktiengesellschaft führt, haben nicht nur die TI-Aktionäre einen Grund zu jubeln. Die Wirtschaft des ganzen Landes könnte davon profitieren.

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