Telecom Italia
Patt auf mexikanisch

Der mexikanische Telekom-Magnat Carlos Slim lässt die spanische Telefonica dafür büßen, dass sie ihm die Kontrolle über die Telecom Italia weggeschnappt hat. Zwar werden seine Versuche, auf die brasilianische Branchenaufsicht Einfluss zu nehmen, den Abschluss nicht kippen können. Aber die entstehende Verzögerung lässt den Sieg von Telefonica teurer und weniger attraktiv erscheinen.

Carlos Slim hat die Niederlage im Kampf um Telecom Italia (TI) nicht leichten Herzens weggesteckt. Der mexikanische Telekom-Magnat hat einen besonders schweren Schlag einstecken müssen, als die spanische Telefonica ihn bei der Übernahme des Mehrheitsanteils von Pirelli an der italienischen Telekom-Gesellschaft knapp überflügelt hat. Der Zusammenschluss stärkt die Stellung von Telefonica in Lateinamerika, also vor seiner eigenen Haustür. Jetzt lässt er die Spanier für ihren Triumph schwitzen und dadurch deren Sieg weniger attraktiv erscheinen.

Slim hat bei seiner Attacke auf den Zusammenschluss an einem sensiblen Punkt angesetzt: Brasilien. Es war von vorneherein klar, dass es für Telefonica nicht leicht werden wird, den Deal von der Telekom-Aufsicht des Landes, Anatel, absegnen zu lassen. Telefonica und TI teilen sich untereinander mehr als die Hälfte des brasilianischen Mobilfunkmarktes. Aber Slim, der von Jose Dirceu, einst die rechte Hand von Präsident Luiz Inacio Lula da Silva, beraten wird, hat den Spaniern noch mehr Steine in den Weg gelegt. Die Entscheidung von Anatel lässt auf sich warten. Telefonica, die auf ein Urteil schon im August gehofft hatte, wird wohl mindestens noch bis nächste Woche warten müssen.

Die Verzögerung wird den Abschluss nicht zum Kippen bringen. Aber sie hat Telefonica den Traum einer schnellen Lösung bei TI verwehrt, die in der Luft hängt, seitdem Pirelli-Chef Marco Tronchetti Provera im September des vergangenen Jahres ausgeschieden ist. Tatsächlich könnten die Unsicherheiten darüber, wann und zu welchen Bedingungen Telefonica grünes Licht bekommt, die Situation von TI erschwert haben.

TI sieht jetzt plötzlich gar nicht mehr so attraktiv aus. Es dürfte Telefonica nicht schwer fallen, einige der Schäden, wie etwa die ungeklärten Fragen zum Management, zu beheben. Schwierig wird es aber vermutlich werden, die italienischen Behörden wieder loszuwerden, die das Interregnum genutzt haben, auf TI herumzuhacken. Die italienische Branchenaufsicht Agcom und Kommunikationsminister Paolo Gentiloni haben den Druck auf die Gesellschaft erhöht, ihr Festnetz abzuspalten.

Und TI sieht jetzt auch teurer aus. Die Aktien des Unternehmens sind um sieben Prozent gefallen, seitdem Telefonica und ihre Partner im Konsortium, Generali, Intesa-Sanpaolo und Mediobanca, im April den Deal mit Pirelli ausgehandelt haben. Die europäischen Telekomwerte sind im Vergleich dazu um zwölf Prozent gestiegen. Der Aufschlag, den Telefonica für ihr Stück vom Kuchen zahlt, ist um zehn Prozentpunkte auf satte 34 Prozent gestiegen. Gegen den reichsten Mann der Welt anzutreten, kann seinen Preis haben.

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