Telekom
Champion ohne großen Zusatznutzen

Die mögliche Verbindung zwischen der norwegischen Telenor und der schwedischen Konkurrenz Teliasonera würde zwar zu einem Prestigegewinn in der Region führen, aber nicht zu erwähnenswertem Einsparpotenzial bei den Telekoms. Ein früherer Fusionsversuch der beiden Unternehmen wurde von der Regierung verhindert. Auch dieser Anlauf könnte durch die aufdringlichen Behörden wieder zunichte gemacht werden.

Ein nordischer Telekom-Champ dürfte kaum mit größeren Wertzuwächsen rechnen. Die diskutierte Kombination aus Telenor und der schwedisch-finnischen Teliasonera, die der Mitbewerber France Telekom gern verhindern will, könnte zwar zu einem höheren Prestige in Skandinavien führen, aber die positive Wirkung aus dem Zusammenschluss dürfte sehr begrenzt ausfallen. Kommt es doch dazu, könnte die politische Einmischung der Regierungen Norwegens, Finnlands und Schwedens auch noch den letzten positiven Effekt zunichte machen.

Das Problem liegt nicht in den fehlenden, sondern eher in den zu breiten Überschneidungen zwischen Telenor und Telia. In Schweden und Norwegen sind sie die führenden Mobilfunkanbieter mit einem gemeinsamen Marktanteil in Schweden von 64 Prozent. Es ist also zu vermuten, dass die Wettbewerbsaufsicht die Trennung von Unternehmenansteilen zur Auflage macht. Telia wird sich von seinem norwegischen Mobilfunkgeschäft trennen müssen und Telenor vom schwedischen. Ironischerweise würde der neue Telekom-Champ also an Größe verlieren.

Das überzeugendste Argument für die nordische Kombination und der Grund dafür, dass sie einer Verbindung mit France Telekom überlegen wäre, liegt in den Emerging-Market-Operationen der Skandinavier. Sie tragen rund 40 Prozent zum kombinierten Betriebsergebnis bei. Gemeinsame Aktivitäten könnten hier positive Skaleneffekte hervorbringen. Allerdings ist das einzige Land, in dem es potenziell verwertbare Überschneidungen gibt, Russland – wo sowohl Telia als auch Telenor in komplizierte rechtliche Auseinandersetzungen mit Joint-Venture-Partnern verstrickt sind.

Kommt der Vertrag zustande, ist jedoch nach allen Erfahrungen aus der Vergangenheit mit politischen Auflagen zu rechnen. Vor einem Jahrzehnt wurde ein geplanter Zusammenschluss zwischen Telenor und Telia schon einmal aufgegeben. Telia fusionierte dann später mit Sonera. Der Deal scheiterte damals nicht allein an den Differenzen zwischen den norwegischen und schwedischen Führungsspitzen, die keinen gemeinsamen Nenner finden konnten, auch die Politiker hatten die Hände im Spiel.

Teliasonera hat heute, 6 Jahre nach der Fusion, immer noch Zentralen in Schweden und Finnland. Man kann sich vorstellen, wie schwer es dann drei Regierungen fallen wird sich auf einen Standort zu einigen. Eventuell könnte es vor dem Hintergrund etwas leichter fallen, dass sich Finnland und Schweden von staatlichen Besitztümern trennen wollen, aber das gegenseitige Misstrauen sitzt tief.

Die Idee eines nordischen Champions klingt vielleicht verlockender als die Vorstellung von einer weiteren Ausdehnung des französischen Imperiums. Aber worin der Vorteil für Kleinaktionäre liegen könnte, wird bei beiden nicht klar.

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