Telekom-Markt
Kein Sprint, ein Marathon

Der US-Telekomgesellschaft Sprint laufen die Kunden davon. Allein im ersten Quartal sollen 1,2 Millionen Kunden das Weite suchen. Das wären mehr Kündigungen als im ganzen letzten Jahr. Noch beunruhigender allerdings ist, dass Sprint 2,5 Mrd. Dollar zusätzliche Kredite aufgenommen hat. Eine Liquiditätskrise steht zu befürchten.

Mit jedem Tag sieht die 2004 zwischen Sprint und Nextel eingegangene Fusion katastrophaler aus. Die Telefongesellschaft hat nun zugegeben, was schon längst bekannt war: 29,7 Mrd. Dollar werden wegen des Kaufs von Nextel abgeschrieben. Das Problem der unzufriedenen Kunden mit dem US-Mobilfunkanbieter ist allerdings viel schwieriger aus dem Weg zu räumen als ein Nennwert in der Bilanz.

Die Kunden laufen Sprint jetzt in Scharen davon. Vertragsnehmer, denen die Rechnung nachträglich zugestellt wird und die viel lukrativer sind als jene, die im Voraus zahlen, suchen immer schneller das Weite. Im dritten Quartal verlor Sprint 337 000 dieser Nutzer, im vierten Quartal 683 000 und für das erste Quartal rechnet das Unternehmen mit 1,2 Millionen Abtrünnigen. Das sind mehr als die Firma im ganzen letzten Jahr verloren hat.

Und es gibt keine Anzeichen dafür, dass die Konkurrenten ihren Druck auf Sprint verringern. In der vergangenen Woche haben Verizon Wireless, AT&T und T-Mobile jeweils einen unbegrenzten Mobilfunkservice für 99 Dollar im Monat eingeführt. Solche Pläne machen es den Kunden leicht, die Preise zu vergleichen, wodurch sich die Wahrscheinlichkeit für einen Preiskrieg erhöht – wenn das nicht ohnehin schon der Auftakt dazu war. Auf jeden Fall sah sich Sprint genötigt, einen ähnlichen Tarif für 89 Dollar anzubieten. Das könnte sich negativ auf die Gewinnspannen auswirken, wenn der Schritt nur zur Folge hat, dass bestehende Kunden in großen Gruppen zu unbegrenzten Verträgen überwechseln.

Noch beunruhigender ist allerdings, dass die Vorgehensweise der Manager auf deren Besorgnis schließen lässt, dass die Kundenflucht zu einer Liquiditätskrise führen könnte. Sprint hat die Dividendenzahlung ausgesetzt und lässt das Aktienrückkaufprogramm auslaufen. Das sind vernünftige Maßnahmen für ein Unternehmen, das darauf bedacht ist, sich seine Liquidität zu bewahren. Aber gleichzeitig haben die Manager in dieser Woche auch 2,5 Mrd. Dollar aus einer revolvierenden Kreditfazilität in Anspruch genommen. Nach eigenen Angaben braucht die Telefongesellschaft die liquiden Mittel nicht, wolle aber eventuelle finanzielle Risiken im Zusammenhang mit Commercial Paper über 400 Mill. Dollar, Anleihen über 1,25 Mrd. Dollar mit Fälligkeit November und Bonds über 600 Mill. Dollar mit Fälligkeit im Mai 2009 abmildern.

Mit der Inanspruchnahme des Kredits, der Aussetzung der Dividendenzahlung und mit liquiden Mitteln über 2,2 Mrd. Dollar in der Bilanz hat die Gesellschaft ein wenig Zeit gewonnen, um ihre Kundenverluste zu stoppen. Aber selbst Sprint-Chef Daniel Hess gibt zu, dass es mindestens mehrere Quartale dauern wird, bis die Situation gedreht werden kann, und dass sich am Kundenschwund auch im zweiten Quartal nicht viel geändert haben wird. Sprint wird tatsächlich jeden verfügbaren Cent gebrauchen können, um diesen Marathon durchzustehen.

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