Telekom / Sprint
Schnäppchen mit Kopfschmerz-Garantie

Die Deutsche Telekom hat Berichten zufolge ein Auge auf den sorgengeplagten US-Mobilfunkbetreiber geworfen. Bei einem Unternehmenswert von 28 Milliarden Euro scheint ein Kauf finanzierbar, dürfte aber dennoch nicht so einfach zu bewerkstelligen sein. Auch wenn es gelingt, die politischen Tretminen zu umgehen, bleiben immer noch große technische und wirtschaftliche Herausforderungen zu meistern.

Der Deutschen Telekom dürfte mit Sprint Nextel einige Arbeit ins Haus stehen. Der deutsche T-Mobile-Betreiber – gegenwärtig der viertgrößte Mobilfunkanbieter in den USA – hat ein Auge auf die problembeladene Nummer drei des amerikanischen Marktes geworfen. Der Zusammenschluss der beiden würde der Deutschen Telekom die Poleposition auf dem US-amerikanischen Markt verschaffen, aber auch einiges Kopfzerbrechen bereiten.

Mit einem Unternehmenswert von 43 Milliarden Dollar (28 Mrd. Euro) – gemessen an Sprint Nextels Marktkapitalisierung von 23 Milliarden Dollar sowie Schulden in Höhe von rund 20 Milliarden – scheint die Übernahme für die Telekom bezahlbar. Die Verschuldung des deutschen Unternehmens liegt gegenwärtig knapp unter dem zweifachen ihres Jahresergebnisses (EBITDA) und damit an der unteren Grenze des von der Telekom anvisierten Bandes des zwei- bis dreifachen. Nimmt man einmal an, die Deutsche Telekom zahlt auf die Sprint-Nextel-Aktien eine Prämie von 30 Prozent und Sprint erreicht seine Ergebnisprognose 2008 von fünf Milliarden Euro, dann würde sich die Verschuldung der Telekom auf das akzeptable 2,9-fache ihres EBITDA erhöhen.

Allerdings ist der Preis nur ein Einstiegspunkt. Die Telekom würde sich mit dem Deal in ein politisches und aufsichtsrechtliches Minenfeld begeben. US-Politiker dürften nicht gerade scharf darauf sein, dass die größte in den Vereinigten Staaten operierende Mobilfunkgesellschaft von Berlin aus kontrolliert wird – schon gar nicht in einem Wahljahr. Es ist auch noch nicht klar, ob die Wettbewerbsbehörden für eine weitere Konsolidierung in der Branche zu begeistern wären, nachdem schon in den vergangenen Jahren Sprint und AT&T Wireless durch Zusammenschlüsse entstanden sind.

Kann die Telekom diese Hürden nehmen, dann bleiben noch die beträchtlichen internen Sorgen bei Sprint. Die Aktien sind nicht grundlos so billig. Seit dem Zusammenschluss mit Nextel im Jahr 2005 hat der schlechte Kundenservice zu einer Abwärtsspirale geführt. Das EBITDA sank innerhalb von zwei Jahren um die Hälfte. Im Februar musste Sprint 30 Milliarden vom Goodwill aus dem Deal abschreiben.

Zur Zeit profitiert T-Mobile, wie auch die Marktführer AT&T und Verizon Wireless, von der Malaise bei Sprint und sammelt enttäuschte Sprint-Kunden ein. Kommen Telekom und Sprint zusammen, wandern die Probleme also nur von einer Tasche in die andere. Die Aufgabe, vor der die Telekom stünde, hieße dann: den Verfall zu stoppen und gleichzeitig die konkurrierenden und offensichtlich nicht kompatiblen Technologien zu integrieren.

2000 bezahlte die Telekom 50 Milliarden Dollar für VoiceStream und damit zuviel für einen Markteintritt in den USA. Unternehmensübernahmen sind heute günstiger, allerdings riskiert die Telekom auf andere Weise zu teuer zu bezahlen.

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