Telekomausrüster
Umgekehrter Niedergang

Das Ende des Jahres 2008 gestaltete sich düster für die Telekomausrüster. Aber im Vergleich zu dem Niedergang nach dem Platzen der Dotcom-Blase trifft es dieses Mal andere Bereiche der Branche.

Die Ausrüster für die Telekomindustrie haben Ende 2008 eine düstere Wegstrecke zurückgelegt, die von schrumpfenden Margen, erstmaligen Verlusten und sogar von Pleiten gesäumt war. Doch die Leiden, die mit dem jüngsten Abschwung im Technologie-Sektor einhergehen, sind ungleichmäßig auf die Netzwerkfirmen und die Handy-Hersteller verteilt. Wie es aussieht, bildet sich fast eine Umkehrung zu dem heraus, was nach dem Platzen der Dotcom-Blase zu sehen war.

Trotz des Antrags auf Gläubigerschutz durch Nortel scheinen sich die Netzwerk-Unternehmen in einer besseren Ausgangslage als 2001 zu befinden, um die konjunkturelle Talfahrt zu überstehen. Damals hatten die Telekombetreiber abrupt ihre Ausgaben in die Infrastruktur eingestellt, nachdem Jahre der Überinvestitionen bei ihnen zu einer enormen Schuldenbelastung geführt hatten. Aufgrund der Überkapazitäten schrumpften die Einnahmen der Branche um die Hälfte und der Sektor wurde einer brutalen Umstrukturierung unterzogen.

Aber das Netzwerk-Geschäft könnte sich 2009 stetig entwickeln. In ausgereiften Märkten ist das Investitionsniveau der Telekombetreiber mit etwa 14 Prozent der Einnahmen bereits niedrig. Es müssen allerdings fortlaufend Ausgaben getätigt werden, um die Netzwerke aufrecht zu erhalten und verbesserte Multimedia-Angebote anzubieten. Zudem gibt es auf den aufstrebenden Märkten immer noch Wachstumsgelegenheiten, denen es nachzujagen gilt. China, Indien und Lateinamerika führen gerade erst die Technologie der dritten Generation ein.

Die Stärke von Ericsson in der drahtlosen GSM-Technologie macht die Firma zur eindeutigen Gewinnerin in der derzeitigen Krise. Der französisch-amerikanische Rivale Alcatel-Lucent schlägt sich mit veraltenden Technologien herum und sieht anfälliger aus. Da das Unternehmen größer und stark im Festnetzbereich vertreten ist, wird es wahrscheinlich nicht scheitern wie Nortel, aber es wird sich anstrengen müssen, um sich neu auszurichten.

Wirklich hart trifft es dieses Mal die Handy-Hersteller, die sowohl mit nachlassenden Ausgaben der Verbraucher zu kämpfen haben, als auch mit Initiativen der Betreiber, die Kunden in länger laufende oder nur auf SIM-Karte basierende Verträge einzubinden. Der branchenweite Handy-Absatz war 2008 geschätzt um neun Prozent gestiegen. Nach dieser schnellen Expansion ist es nicht unwahrscheinlich, dass der Markt jetzt regelrecht abgewürgt wird. Ein Schrumpfen um bis zu zehn Prozent im laufenden Jahr wird vorhergesagt. Gemessen am Volumen würde der Markt damit doppelt so stark zurückgehen wie während des Platzens der Internetblase.

In diesem Umfeld ist Größe ein Vorteil. Nokia, immer noch der Marktführer, profitiert von seiner breiten Produktpalette. Am unteren Ende des Markts verliert Sony Ericsson Marktanteile an Nokia und im oberen Segment an das iPhone von Apple. Die Verluste im vierten Quartal haben dazu geführt, dass der Geldberg von Sony Ericsson um ein Drittel erodiert ist. Auch Motorola hat innerhalb eines Jahres bereits die Hälfte seines Anteils am Handy-Markt eingebüßt. Hat die Firma für das vierte Quartal einen größeren Verlust zu melden, dann könnte auch die geplante Ausgliederung des angeschlagenen Bereichs gefährdet sein. Wenn die Handy-Hersteller von der Dotcom-Spekulation so richtig hart getroffen wurden, dann könnte für sie jetzt der Tag der Abrechnung gekommen sein.

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