Telekommunikation
Schnell an die Wand gespielt

Telefonica setzt Vivendi in Brasilien mächtig unter Druck. Der Telekombetreiber hatte die Mediengruppe im Bieterkampf um das brasilianische Telekomunternehmen GVT bereits übertrumpft. Jetzt haben die Spanier ihr Gebot um weitere fünf Prozent auf 3,8 Mrd. Dollar nachgebessert.
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Telefonica setzt Vivendi in Brasilien mächtig unter Druck. Der Telekombetreiber aus Spanien hatte die Offerte der französischen Mediengruppe zum Kauf der brasilianischen Telekomhoffnung GVT bereits überboten. Jetzt haben die Spanier ihr Gebot um weitere fünf Prozent auf insgesamt 3,8 Mrd. Dollar nachgebessert. Aufgrund dieser Erhöhung und der Eigenheiten der brasilianischen Übernahmerichtlinien gerät Vivendi damit noch weiter ins Hintertreffen.

Im September hatte Vivendi als erstes ausländisches Unternehmen Interesse an GVT angemeldet. Aber die Mannschaft um Vivendi-Chef Jean-Bernard Levy legte kein formelles Übernahmeangebot vor, sondern lancierte vielmehr den Vorschlag, letztendlich eine Offerte von 42 Real je Aktie unterbreiten zu wollen. Diese Vorgehensweise lud die brasilianische Telefonica-Tochter Telesp förmlich dazu ein, am 7. Oktober das erste offizielle Kaufangebot zu 48 Real je Aktie einzureichen.

Viele Beobachter waren davon ausgegangen, dass das Geschäft unter Dach und Fach wäre - schließlich kann Telesp Synergien vorweisen, die dem Neuzugang Vivendi fehlen. Analysten der Citigroup veranschlagten die möglichen Kosteneinsparungen auf mindestens eine Mrd. Real oder acht Real je Aktie aufgrund von Steuerposten und Einsparungen im Basisnetz. Zudem verschaffte sich Telefonica dadurch Vorteile, dass sich das Unternehmen als Erstes bewegt hatte. Denn die brasilianischen Übernahmerichtlinien sehen vor, dass jedes neue Gebot durch Vivendi nun um fünf Prozent über der aktuellen Offerte liegen muss. Damit wurde die Latte auf ein hohes Niveau von 50,4 Real gelegt.

Um dem Ganzen die Krone aufzusetzen, hat Telefonica ihr Angebot jetzt auf 50,5 Real je Aktie erhöht. Die Spanier honorieren damit die besser als erwartet ausgefallenen Ergebnisse der GVT und gleichzeitig deren Bestreben, zum Erfolg der Offerte beizutragen. Vivendi ist nun offenbar noch weiter ins Hintertreffen geraten. Das nächste Angebot der Mediengruppe müsste bei mindestens 53 Real liegen und wäre damit um 26 Prozent höher als der Preis, den die Firma anfänglich zu zahlen beabsichtigte. Es sieht ganz so aus, als habe Telefonica durch ihr Vorpreschen die Bieterschlacht beendet, bevor auch nur eine Kanone abgefeuert worden ist.

Die Entscheidung des spanischen Telekombetreibers, sich selbst zu überbieten, unterstreicht die Attraktivität des schnell wachsenden brasilianischen Markts. Unklar ist vorerst allerdings noch, wie bindend die Übereinkunft von Vivendi mit den Mehrheitsaktionären von GVT ist, die es dem Unternehmen - vielleicht - gestatten würde, mindestens 20 Prozent an der brasilianischen Gesellschaft zu erwerben. Selbst wenn sich die Ambitionen von Vivendi in Brasilien im Augenblick zerschlagen zu haben scheinen, so hat das Unternehmen also vielleicht doch noch einen Trumpf in der Hand.

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