Tencent
An der Spitze der Schlange

Der chinesische Internetportal- und Instant-Messaging-Provider wird in den Hongkong-Index Hang Seng aufgenommen. Der operative Gewinn des Unternehmens liegt beim Fünffachen des gegenwärtigen Lieblings Baidu – und die Wachstumsaussichten sind rosig. Mit einer Bewertung zum 47-fachen seiner aktuellen Gewinne ist Tencent nicht gerade billig, die riesige Nutzerbasis macht es allerdings schwer, das Unternehmen zu ignorieren.

Der chinesische Internet- und Technologiesektor wird häufig als Ödland des geistigen Eigentums betrachtet. Schließlich ist sein bekanntestes Internetunternehmen, die Suchmaschine Baidu, vor allem darum beliebt, weil sie es ermöglicht, freie, nicht-lizensierte Musik herunterzuladen. Man muss aber nur auf die Webseite der am zweithäufigsten besuchten Internetadresse schauen, um zu erkennen, wer mit immateriellen, virtuellen Diensten in China wirklich Geld verdient.

Die Marke QQ gehört zu der in Hongkong gelisteten Tencent Holdings, der jüngsten Neuaufnahme in den Blue-Chip-Index Hang Seng. Der Konzern hat die potenziell größte Online-Community der Welt erfolgreich zu Geld gemacht.

Die in den USA führenden Internetunternehmen Google und Ebay haben in China zu kämpfen. Mit dem astronomischen Anzeigenpotenzial vor Augen haben sie ihre Dienste rund um das Ziel der maximalen Pageviews konstruiert. Dabei haben sie vergessen, dass die chinesischen User mit dem E-Commerce wenig vertraut sind und vertrauenswürdige Online-Zahlungssysteme fehlen. Beides Voraussetzungen für erfolgreiche Internet-Vermarktung.

Im Gegensatz zu ihnen hat Tencent nicht versucht, Online Anzeigen zu vermarkten. Stattdessen nutzt das Unternehmen seine führende QQ-Instant-Messaging-Software - mit einem Marktanteil von über 70 Prozent -, um schneller in andere Dienstleistungsmärkte zu expandieren als bekanntere westliche Anbieter.

Tencents Basisdienste sind in der Regel kostenfrei, aber die Nutzer kaufen mit realem Geld sogenannte "Q-Coins", die sie für billige Frivolitäten ausgeben können. Ein neuer Hut für einen personalisierten Avatar (eine künstliche Figur, ein Computerbild) kostet nur ein paar Pennies, die sich allerding schnell summieren.

Von den 221 Millionen Internetnutzern in China sind die Hälfte unter 25 Jahren. Damit ist Unterhaltung ein enstzunehmender Geschäftszweig. Tencent ist auf dem besten Weg, etablierten Online-Spieleanbietern wie Shanda und Netease Konkurrenz zu machen. Es bedient sich dabei seiner bewährten kostenfreien Spiele und ergänzt sie durch den Verkauf virtueller Extras.

Tencent expandiert auch in soziale Netzwerkaktivitäten. Der Marktführer und Facebook-Klon Xiaonei stützt sich auf den japanischen Telekommunikationskonzern Softbank, der kürzlich 430 Millionen Dollar für einen 35prozentigen Anteil an der chinesischen Xiaonei-Muttergesellschaft Oak Pacific erwarb. Aber Tencents Chancen stehen gut, weil das Internetunternehmen auf eine Nutzerbasis zurückgreifen kann, die von Anderen bisher unerreicht ist. Es sollte Tencent also nicht schwer fallen, die kritische Masse zu erreichen. Investoren sind bereits auf Tencent aufmerksam geworden. Mit einer Bewertung, die dem 47-fachen der aktuellen Gewinne entspricht, sind die Aktien sicher nicht billig. Aber genauso wie China die Welt mit seinem "Sozialismus mit chinesischem Charakter" erschütterte, könnte Tencent schon bald zu "Google/Facebook/Skype mit chinesischem Charakter" werden.

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