Tesla-Deal
Daimler fährt auf die Batterie ab

Daimler hat einen Anteil von zehn Prozent an dem US-Elektrosportwagenhersteller Tesla gekauft. Die 110 000 Dollar teuren Roadster des Start-Up aus dem Silicon Valley verleihen dem Mercedes-Hersteller sicher etwas mehr Sexappeal. Doch mit Inkrafttreten der strengeren Abgasvorschriften in den USA besteht der eigentliche Gewinn in der Batterie-Technologie von Tesla.
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Daimler steht eher für deutsche Tüchtigkeit als für Sexappeal. Doch die jüngste Investition des Autobauers bei dem Start-Up Tesla aus dem Silicon Valley könnte seinem Image aufhelfen. Die 110 000 Dollar teuren Elektrosportwagen von Tesla verleihen dem biederen Mercedes-Benz-Hersteller sicherlich ein wenig Pep. Doch wenn die neuen US-Abgasvorschriften in Kraft treten, ist die Batterietechnologie der Kalifornier der eigentliche Gewinn bei diesem Deal.

Der Elektroauto-Entwickler hatte mit seinem teuren Roadster Furore gemacht. Angetrieben von einer 1 000 Pfund-Batterie beschleunigt das Modell in weniger als vier Sekunden von Null auf 60 Meilen die Stunde. Die gefallenen Riesen der US-Automobilbranche werden das Medienspektakel neidisch beäugt haben. Und doch hat Tesla etwas gemeinsam mit der Benzin fressenden Verwandtschaft: Die Firma steckt ebenfalls in finanziellen Schwierigkeiten.

Das junge Unternehmen müht sich immer noch damit ab, die Schwelle der Rentabilität zu erreichen und versucht, vom US-Energieministerium einen Kredit über 350 Mill. Dollar zu ergattern, um sein "Model S" zu produzieren - eine kostengünstigere Limousine, die für weniger als 50 000 Dollar angeboten werden soll. Daher kommt die zehnprozentige Beteiligung von Daimler an Tesla, deren Bedingungen nicht offen gelegt wurden, zu einem günstigen Zeitpunkt.

Der Schritt ist auch für Daimler sinnvoll. Wenn sich die Tesla-Flitzer auf breiter Front durchsetzen, werden die Stuttgarter profitieren. Und Daimler könnte sich so in eine äußerst günstige Ausgangslage gehievt haben, um von dem Start-Up Besitz zu ergreifen - auch wenn die jahrelange Erfahrung als Eigentümer von Chrysler die Firma vielleicht erst einmal inne halten lässt. Trotzdem ergänzt Tesla die für ihre Effizienz bekannte Mercedes-Benz-Reihe um jede Menge Sexappeal.

Doch der eigentliche Gewinn besteht in der hoch entwickelten Batterie-Technologie von Tesla. Die Lithium-Ionen-Batterien der kalifornischen Entwickler verfügen über die beste Kombination an Kraft, Reichweite und Sicherheit unter allen derzeit erhältlichen skalierbaren Modellen. Mercedes hat sie bereits mit einer begrenzten Flotte an Prototypen getestet. Das erste batteriebetriebene Fahrzeug soll im kommenden Jahr vom Band rollen und bis 2012 sollen batteriebetriebene Versionen aller Modelle angeboten werden.

Das Timing könnte gar nicht besser sein. Das Weiße Haus hat gerade seine neuen Abgasvorschriften angekündigt, mit denen bis 2016 die Emissionen um 40 Prozent gesenkt werden sollen. Eine Verlagerung hin zu einer batteriebetriebenen Flotte könnte dazu beitragen, dass sich Daimler an die Spitze der Meute setzen kann. Und dann wäre seine Investition in Tesla viel mehr als nur der Versuch, ein wenig Glanz und Glamour abzustauben.

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