Tesoro
Pillenschlucker

Die Strategie zur Übernahme-Abwehr von Tesoro hat es Kirk Kerkorian ermöglicht, seine Offerte für 16 Prozent an der US-Erdölraffinerie zurückzuziehen. Seitdem der listige Milliardär sein Gebot vorgelegt hatte, sind die Aktien von Raffinerien unter Druck geraten. Der Vorstand von Tesoro hat Kerkorian also auf Kosten der Aktionäre die rote Karte gezeigt.

Giftpillen sind in der Regel so beschaffen, dass den Aktionären davon schlecht wird. Das Problem mit diesen Strategien zur Abwehr einer Übernahme – oder „den Plänen zur Wahrung der Aktionärsrechte“, wie ihre Unterstützer sie so schön nennen – ist, dass sie den freien Markt der Unternehmenskontrolle behindern. Da bildet auch die Abwehrmauer, die Tesoro in Reaktion auf das Interesse von Kirk Kerkorian an der Erdölraffinerie über 6,7 Mrd. Dollar errichtet hat, keine Ausnahme.

Sicher, der Plan, den Tesoro verfolgt hat, war für die Interessen der Aktionäre wohl eher relativ unschädlich. So zumindest stufen ihn einige Beobachter ein, die wie etwa die RiskMetrics Group die angemessene Unternehmensführung unter die Lupe nehmen. Aber das rechtfertigt die Entscheidung von Tesoro noch lange nicht. Kerkorian hatte im Oktober einen Anteil von vier Prozent gekauft. Dann hat er eine Offerte für weitere 16 Prozent zu einem Aufschlag um 24 Prozent auf den Aktienkurs vorgelegt.

Und Tesoro hat dies nicht etwa als Vertrauenserklärung an die Firma durch einen der kundigsten Investoren auf dem Markt gewertet. Vielmehr scheint das Management Angst bekommen zu haben. Vielleicht hatte der Board die Befürchtung, dass Kerkorian, wenn er erst einmal die Schwelle von 20 Prozent erreicht hat, einfach weiter Aktien des Unternehmens aufkaufen könnte, ohne eine adäquate Prämie dafür zu zahlen.

Ohne einen richtigen Übernahmekodex in den USA ist das natürlich immer ein Risiko. Aber weder aus Kerkorians jüngster Vergangenheit noch aus den öffentlichen Kommentaren zu der Investition lässt sich irgendetwas herauslesen, was auf eine solche Absicht des Investors hindeutet. Wenn das Tesoro trotzdem bedrückt hat, wäre es immerhin besser gewesen, ein Stillhalteabkommen zu unterzeichnen, das Kerkorian auf seine 20-Prozent-Position verpflichtet hätte. Nach Angaben von Tesoro habe das Management versucht, Kerkorian zu einer solchen Übereinkunft zu überreden.

Letztendlich hat die Giftpille Kerkorian eine Entschuldigung geliefert, sich aus seiner Verpflichtung, Aktien von Tesoro zu kaufen, zu befreien. Es ist leicht zu erkennen, warum ihm das ganz recht war. Die Aktien von Raffinerien sind nach der Vorlage seiner Offerte gefallen. Der Konkurrent Valero hat um 15 Prozent nachgegeben. Die Aktionäre von Tesoro können sich bei ihrem Vorstand dafür bedanken, dass er Kerkorian diese besondere „Sie kommen aus dem Gefängnis frei“-Karte ganz ohne Gegenleistung zugespielt hat.

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