Teure Aktie
Amazon: Vorsicht, Gefälle!

Die Aktien von Amazon galten lange als Überflieger. Die Investoren haben über die niedrigen Gewinnspannen und hohen Investitionsausgaben des Internet-Einzelhändlers im Tausch gegen einen stetigen Umsatzzuwachs hinweggesehen. Jetzt aber verliert der Online-Umsatz an Fahrt. Der beträchtliche Aufschlag, den Amazon gegenüber Rivalen wie Ebay, Google und Wal-Mart genießt, könnte zeigen, wie tief die Titel von Amazon fallen könnten.

Der Umsatz des Online-Händlers ist im vergangenen Jahr um eindrucksvolle 39 Prozent auf 14,8 Mrd. Dollar gestiegen. Um dieses Wachstum zu erreichen, waren heftige Ausgaben notwendig. Die Firma hat im vergangenen Jahr 224 Mill. Dollar, oder die Hälfte ihres Nettogewinns, in ihr Online-IT-Geschäft gesteckt und hat die Anzahl der verkauften Artikel ausgeweitet. Im vergangenen Quartal stammten 42 Prozent des Umsatzes aus dem nicht den Medien zugehörigen Bereich.

Viele dieser neuen Artikel sind Waren mit einer geringen Gewinnspanne, wie etwa DVD-Player. Und Amazon bietet oft Rabattaktionen an, um das Geschäft zu beleben, wodurch allerdings die Margen weiter gedrückt werden. Die Betriebsgewinnspanne belief sich im vergangenen Quartal auf magere 3,6 Prozent nach 5,7 Prozent im Vorjahr.

Und momentan sieht es ganz so aus, als käme der Online-Einzelhandel mächtig unter Druck. Der Umsatz im Weihnachtsgeschäft ist in diesem Jahr mit einem Minus von einem Prozent zum ersten Mal überhaupt zurückgegangen, berichtet Comscore. Und für das kommende Jahr wird dem Online-Einzelhandel nur ein Wachstumszuwachs von vier Prozent zugestanden - nach einem Plus um 20 Prozent im Jahr 2007, prognostiziert die Research-Gruppe Emarketer. Dieser Rückgang könnte ein Zeichen dafür sein, dass der Einzelhandel im Internet ein höheres Stadium der Reife erreicht hat als allgemein angenommen. Schließlich hatten sich die Internet-Umsätze gegenüber dem letzten Konjunktureinbruch als weitgehend immun erwiesen.

Wie schwer würde eine Verlangsamung des Wachstums im OnIine-Einzelhandel die Aktien von Amazon treffen? Man kann sich einer Einschätzung über den Aufschlag nähern, den Amazon gegenüber den Konkurrenten genießt. Zwar ist ein Direktvergleich mit anderen Unternehmen nicht statthaft, aber es gibt eine Reihe von Firmen, die zu einigen Geschäftszweigen von Amazon Analogien aufweisen.

Die Papiere von Amazon werden zum 34fachen der für das kommende Jahr erwarteten Ergebnisse gehandelt. Das liegt um 75 Prozent über dem Vielfachen von Ebay und erscheint hoch, selbst wenn Amazon Ebay mit einigem Erfolg Kunden abgezogen hat. Darüber hinaus sieht der Aufschlag der Aktien auch im Vergleich zu den Papieren von Google und Wal-Mart hoch aus, die beide mit etwa dem 15fachen gehandelt werden.

Um diese Bewertung zu rechtfertigen, müssten die Gewinne von Amazon in den kommenden vier Jahren um 23 Prozent schneller zulegen als die von Wal-Mart oder Google und um 41 Prozent schneller als die von Ebay. Wenn man bedenkt, dass etwa Sanford Bernstein davon ausgeht, dass die Gewinne von Amazon im kommenden Jahr nur um zwölf Prozent steigen dürften - verglichen mit einem einstelligen Zuwachs bei den Konkurrenten -, erscheint eine solche Entwicklung unwahrscheinlich zu sein.

Die enormen Größenvorteile von Amazon sind allerdings einen Aufschlag wert. Sagen wir einmal, der Gewinnanstieg der Firma übertrifft den von Wal-Mart um eindrucksvolle zehn Prozentpunkte jährlich über den genannten Zeitraum von vier Jahren. Dann beliefe sich das Vielfache von Amazon auf das 22fache der Gewinne. Und dies bedeutet, dass die Aktien gegenüber dem derzeitigen Stand von 50 Dollar je Aktie um schmerzhafte 35 Prozent fallen müssten.

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