Thales-Dassault
Ein Akt der Selbstzerstörung

Als Dassault 26 Prozent an Thales erworben hatte, versprach der Flugzeugbauer, keinen Einfluss auf das Management der größeren Firma auszuüben. Jetzt hat sich Dassault mit der französischen Regierung zusammengeschlossen, um genau dies doch zu tun. Dazu soll zunächst einmal der Chef des Rüstungselektronikherstellers entlassen werden. Das ist schlecht für die Minderheitsaktionäre und für das Geschäft von Thales.
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Die Richtlinien für gute Unternehmensführung sind etwas für Schwächlinge. Die echten Jungs sind mit Höherem befasst. Der Rüstungselektronikkonzern Thales ist das jüngste Opfer eines weiteren Akts der Selbstzerstörung, die unter staatlich kontrollierten französischen Firmen immer mehr zur Norm wird.

Denis Ranque wird vermutlich in der kommenden Woche seinen Chefposten bei Thales verlieren. Der Umsatz von Thales hatte sich während seiner zehnjährigen Amtszeit verdoppelt und das Unternehmen hat sich mit großen Ablegern in Großbritannien und in den USA international Präsenz verschafft. Doch Ranque hatte es sich mit Dassault Aviation, die jetzt einen Anteil von 26 Prozent an Thales hält, verdorben. Er bestand darauf, dass Thales seine unabhängige Strategie beibehält. Und die französische Regierung, die 27 Prozent an Thales kontrolliert, hat sich auf die Seite von Dassault geschlagen.

Eigentlich hat sich Dassault klammheimlich an eine Übernahme von Thales gemacht. Der Hersteller von Falcon-Jets hatte im vergangenen November seinen Thales-Anteil dem angeschlagenen Telekomausrüster Alcatel-Lucent abgekauft. Damals hatte die französische Börsenaufsicht entschieden, dass Dassault kein vollständiges Gebot für die Firma vorlegen muss - auch wenn offensichtlich war, dass der Flugzeugbauer in Absprache mit der französischen Regierung vorging, die einen Deal eingefädelt hatte, der - wenn überhaupt - nur wenige Synergien versprach.

Doch eine Bedingung hatte die Aufsichtsbehörde gestellt: Dassault würde sich nicht in das Management von Thales, die sowohl hinsichtlich des Umsatzes als auch der Marktkapitalisierung doppelt so groß ist, einzumischen versuchen. Doch Dassault hatte sich bald daran gemacht, genau dies zu tun und dabei kräftig an Ranques Stuhl gesägt. Dass das Unternehmen dabei erfolgreich war, zeigt, dass den Minderheitsaktionären eigentlich eine vollständige Übernahme-Offerte zu demselben Aufschlag von 25 Prozent gegenüber dem Marktkurs zugestanden hätte, den Dassault Alcatel-Lucent gezahlt hatte.

Der Spitzenposten wird nun an den Wunschkandidaten von Dassault gehen: Luc Vigneron. Vigneron fungiert derzeit als Chef eines staatlich kontrollierten Produzenten von Militärfahrzeugen, der ein paar hundert Mitarbeiter und weniger als zehn Prozent des Umsatzes von Thales aufweist. Der Vorstandsausschuss von Thales, der die Kandidaten geprüft hat, ließ wissen, dass Vigneron als schlecht qualifiziert erachtet wird. Das spielt aber keine Rolle, er wird trotzdem das Ruder übernehmen.

Selbst wenn Vigneron die Skeptiker widerlegen kann, könnte der ungeschickte Auswahlprozess den Ruf von Thales als französischen Militärzulieferer beschädigen, der es geschafft hatte, sich aus der engen staatlichen Umklammerung zu lösen. Und die Minderheitsaktionäre wissen, welche Art von Rücksichtnahme sie vom Staat zu erwarten haben, wenn er beherrschender Aktionär bei einer notierten Gesellschaft ist: nämlich gar keine.

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