Thales/Safran
Realitäts-Check

Der neue französische Präsident dachte, einige gute Ideen zur Neuorganisation der französischen Industrie zu haben. Aber die Fusion von Thales und Safran erwies sich als totgeborenes Kind und über seine Pläne, Areva mit Alstom zu kombinieren, denkt Nicolas Sarkozy nun noch einmal scharf nach. Die Marktrealitäten gewinnen schließlich doch die Oberhand.

“You can’t buck the market” – “Man kann sich den Markt nicht zurechtschneidern”, so lautet eine berühmt gewordene Weisheit von Margret Thatcher. Auch Nicolas Sarkozy scheint sie inzwischen verstanden zu haben. Der hyperaktive französische Präsident war immer der Meinung, Unternehmen und Wirtschaft seien lediglich zwei verschiedene Spielfelder für seine Präsidentschaft des Mikro-Managements.

Er hatte große Pläne im Kopf, als er die Macht übernahm, industriepolitische Träume, Projekte für eine Handvoll nationaler Champions. Französische Unternehmensvorstände erhielten sogar den subtilen Rat, keine großen Ideen zu entwickeln, bevor nicht der Elysée-Palast konsultiert wurde.

Frankreich hat immer noch viele Unternehmen, die sich teilweise in Staatsbesitz befinden. So hat der Präsident Gelegenheit, sein Gewicht immer wieder in die Waagschale zu werfen. Der Zusammenschluss zwischen Suez und Gaz de France gefiel Sarko nicht und so machte er den bizarren Vorschlag, GdF solle doch stattdessen mit dem algerischen Öl- und Gasmonopolisten Sonatrach gemeinsame Sache machen. Das Kerntechnik-Unternehmen Areva wollte er an seine guten Freunde bei Bouyges und Alstom verkaufen. Und er hielt den Zusammenschluss der Rüstungsunternehmen Thales und Safran für eine gute Idee, weil sie dadurch die kritische Größenordnung erreichen könnten.

Aber irgendetwas muss auf dem Weg nach Phantasien vorgefallen sein. GdF und Suez werden fusionieren. Die Vereinigung Thales-Safran, die von vornherein nicht sinnvoll war – zumindest nicht in Safrans gegenwärtig chaotischem Zustand – ist tot und begraben. Und der Lieblingsdeal, der für Areva geplant war, ist zwar noch nicht vom Tisch, stößt aber auf Schwierigkeiten. Auch dieses Geschäft ist also noch lange nicht in trockenen Tüchern.

Sarko traf auf die Realität und lernte ein paar Wahrheiten. Die wichtigste darunter: der beste Weg den Staatsanteil an einem börsennotierten Unternehmen zu verwalten, besteht darin, auf den Markt zu hören und nicht auf den Rat von Freunden. Es sieht so aus, als ob sich der Präsident zurückzieht – und er tut es. Aber besser ein Rückzug als stur an verqueren Modellen festzuhalten.

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