Time Warner und Comcast
Kabelkreuzung

Die Entscheidung des Medienkonzerns, die Kabelnetz-Tochter abzuspalten und ihr dabei einen Berg von Schulden mit auf den Weg zu geben, hängt die Latte für Comcast höher. Deren Aktionäre fordern schon jetzt von der Gründerfamilie Roberts, die Kapitalstruktur zu verbessern. Aktivisten erhalten nun neue Munition.

Time Warner hat dem Kabelnetzkonkurrenten Comcast das Leben ein bisschen schwerer gemacht. Für den Lieferanten der Looney Tunes Cartoons und des Fortunes Magazines ist die vollständige Abspaltung des Kabelgeschäfts beschlossene Sache. Während Time-Warner-Aktionären der Abschied mit Dividendenzahlungen in Höhe von 11 Milliarden Dollar versüßt wird, erhält die Tochter einen Berg von Schulden mit auf den Weg.

Genau das ist es, was dreiste Aktionäre auch von der Comcast-Gründerfamilie Roberts gefordert hatten. Schon seit einiger Zeit bedrängen sie Unternehmenschef Brian Roberts, die Comcast-Kapitalstruktur zu überdenken. Ende letzten Jahres meldete sich einer der Aktionäre, Chieftain Capital, zu Wort, um zu verkünden, dass man ermittelt habe, dass über 70 Prozent der Comcast-Aktionäre der Meinung seien, das Unternehmen müsse seine Schulden erhöhen und Aktien zurückkaufen.

Um der Gerechtigkeit willen muss man Comcast zugestehen, schon einige Schritte in dieser Richtung unternommen zu haben. Vor einiger Zeit erst verkündete die Unternehmensleitung ihre Absicht, bis Ende 2009 Aktien im Wert von 7 Milliarden Dollar zurückzukaufen. Aber seine Schulden hat Comcast dafür nicht erhöht.

Die Aktiven unter den Comcast-Aktionären können jetzt den Time-Warner-Cable-Deal zum Anlass nehmen, den Druck auf die Comcastführung zu verstärken. TWC erhöht durch die Kreditaufnahme seine Schulden auf das 3,7-fache der für 2008 erwarteten Gewinne vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen. Würde Comcast sich genauso hoch verschulden, könnte das Unternehmen 17 Milliarden Dollar aufnehmen - genug, um ein Viertel seiner Aktien zurückzukaufen.

Ein Argument, das Comcast dafür ins Feld führte, sich nicht höher zu verschulden, war die Kreditwürdigkeitseinschätzung durch die Ratingagenturen. Unter "Investmentgrade" wollte man nicht sinken. Aber auch nach Bekanntgabe der Einzelheiten des Splits bleibt das Rating der Agenturen für TWC weiter im oberen Bereich, obwohl das Unternehmen seine Schulden nahezu verdoppelt.

Ob das bei Comcast genauso wäre, ist allerdings unklar. TWC ist ein reiner Versorger - für die Bereitstellung von Inhalten bleibt die Mutter verantwortlich.

Bei Comcast könnten die Kreditgeber, aufgrund der Ausflüge in Territorien außerhalb des Kabelnetz-Kerngeschäfts, weniger enthusiastisch sein. Erst in der vergangenen Woche übernahm Comcast die Social-Network-Site Plaxo für 145 Millionen Dollar. Vor vier Jahren bemühte sich Comcast sogar um Walt Disney.

Natürlich könnte die Folge einer höheren Verschuldung auch sein, dass sich Roberts in Zukunft bei solchen Akquisitionen zurückhält. Die Aktionäre dürften sich doppelt freuen, wenn der Time-Warner-Schachzug Comcast dazu veranlassen könnte, seine Verschuldung zu erhöhen und Aktien zurückzukaufen - und bei seinen Leisten zu bleiben.

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