TNK-BP
Wieder einmal im Tal der Tränen

Die russischen Aktionäre von TNK-BP wollen den Chef des russisch-britischen Erdöl-Joint Ventures hinauswerfen. BP leistet zwar Widerstand gegen diese Pläne. Aber es ist kaum vorstellbar, dass die britische Erdölgesellschaft damit durchkommt. Der Kreml will die Energieressourcen Russlands wieder unter staatliche Kontrolle bringen – und hält dabei alle Trümpfe in der Hand.

Über Jahre hinweg hat sich BP beim Kreml angebiedert. Und es hat alles nichts genützt. Die britische Erdölgesellschaft und ihre russischen Partner liefern sich einen erbitterten Streit über das Schicksal des Gemeinschaftsunternehmens TNK-BP, das BP 2003 mit der russischen TNK gegründet hatte. Bei TNK handelt es sich um dieselbe Firma, die schon vor ein paar Jahren dazu eingesetzt worden war, BP um seine russischen Vermögenswerte zu bringen. Und wenn man etwas auf die Erfahrung geben darf, dann hat BP nur geringe Chancen, bei dieser Auseinandersetzung die Oberhand zu gewinnen.

Vordergründig geht es bei dem Konflikt darum, dass die russische Seite den von BP ernannten Chef des Joint Ventures, Robert Dudley, loswerden will. Dieser wiederum würde gern die russische Nummer Zwei der Firma, German Kahn, feuern. Aber natürlich liegen die wahren Gründe für die Reibereien ganz woanders.

Eine Zeit lang sah es wirklich so aus, als ob der Kreml einfach nur die Kontrolle über den Anteil der russischen Aktionäre von 50 Prozent an TNK-BP erlangen wollte. Die Gerüchte, dass Gazprom oder die staatliche Ölgesellschaft Rosneft die drei Oligarchen, die TNK beherrschen, herauskaufen wollen, verdichten sich. Aber der inner-russische Streit hat sich schließlich nur als weitere Etappe in dem von Putin angeordneten Feldzug entpuppt, die Energieressourcen des Landes wieder unter staatliche Kontrolle zu bringen.

Die westlichen Erdöl- und Erdgasfirmen, die in Russland Geschäft machen, hatten lange darauf gesetzt, dass ihre inländischen Partner ihrer fortschrittlichen Technologie bedürfen und sie deshalb sicher sind. Aber ein Ölpreis von zunächst 80 Dollar je Barrel, dann 100 Dollar und schließlich über 130 Dollar hat das Umfeld entscheidend verändert. Die zuständigen russischen Behörden sind nun überzeugt, dass sie jegliche Technologie, die sie brauchen, überall kaufen können - und sie sind bereit, den Preis dafür zu zahlen.

In einem Land, in dem das Gesetz der Regierung dient, in dem der eine stellvertretende Ministerpräsident der Aufsichtratsvorsitzende von Gazprom ist und der andere dasselbe Amt bei Rosneft inne hat, in dem Steuerbeamte, die Polizei und die Sicherheitsdienste sofort herbeigerufen werden können, um diejenigen zu überzeugen, die Widerstand leisten - wie damals im Fall BP - , in einem solchen Land bleibt westlichen Unternehmen kaum eine Möglichkeit zu handeln, wenn sich die Lage plötzlich verschärft. Außer vielleicht zu weinen.

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