Treasuries
US-Staatsanleihen geraten unter Beschuss

Die US-Einzelhandelsumsätze im August sind robust ausgefallen und die Erzeugerpreise sind gestiegen. Die kräftigen Rohstoff- und Energiepreise könnten in den kommenden Monaten die berichtete Inflation anschieben und die Einzelhandelsumsätze könnten weiter klettern. Im Vorjahresvergleich werden diese Kennzahlen günstig aussehen. Den US-Staatsanleihen stehen möglicherweise harte Zeiten bevor.
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Der Markt für US-Staatsanleihen könnte in den kommenden Monaten schwer unter Beschuss geraten. Die amerikanischen Einzelhandelsumsätze sind im August robust ausgefallen, die Erzeugerpreise sind gestiegen. Kräftige Rohstoff- und Energiepreise dürften die berichtete Inflation in nächster Zeit anschieben, während sich die Einzelhandelsumsätze aufgrund der wirtschaftlichen Erholung weiter verbessern könnten.

Eine gewisse Stärke der Einzelhandelssätze war aufgrund der Preisnachlässe bei Neuwagen im Rahmen der amerikanischen Version der deutschen Abwrackprämie zu erwarten gewesen. Allerdings sind die Umsätze auch ohne die Bereiche Autos und Benzin mit einem Plus um 0,6 Prozent im Monatsvergleich überraschend robust ausgefallen. Dies lässt darauf schließen, dass die Erholung Fuß fasst.

Ebenfalls unerwartet war der Zuwachs des Erzeugerpreisindex für Fertigwaren um 1,7 Prozent im August, der weitgehend auf steigende Rohstoff- und Energiepreise zurückzuführen ist. Beide legen eine fortgesetzte Stärke an den Tag und werden teilweise durch die niedrigen globalen Zinsen angeheizt. Diese Faktoren schlagen sich mit einer Zeitverzögerung auf die Erzeugerpreise nieder, so dass der entsprechende Index auch in den kommenden Monaten anziehen könnte.

Was die Vorjahresvergleiche angeht, so werden die Konjunkturbeobachter vielleicht bald ihre Überraschung äußern. Die Einzelhandelsumsätze im August lagen um 5,3 Prozent niedriger als im vergleichbaren Vorjahresmonat und ließen damit die Tiefe der Rezession erkennen. Doch in den letzten vier Monaten des Jahres 2008 war eine besonders ausgeprägte Abwärtsbewegung zu verzeichnen gewesen. Die monatlichen Messgrößen werden daher für den Rest des Jahres zunächst weit weniger dramatisch aussehen und dann bedeutend besser als vor zwölf Monaten - und darüber hinaus eine Verbesserung im Monatsvergleich aufweisen. Ähnliches wird für die Inflationsseite festzustellen sein. Auch hier werden die Vergleiche mit dem vergangenen Jahr bald viel kräftiger ausfallen.

Die Aktienmärkte könnten die steigenden Einzelhandelsumsätze und die Anzeichen einer einsetzenden Inflation als sich aufhebende Faktoren interpretieren. Für die Bond-Märkte tendieren allerdings beide dazu, die Zinsen nach oben und die Kurse nach unten zu drücken. Es stimmt schon, dass die Renditen der zehnjährigen Treasuries auf etwa 3,5 Prozent geklettert sind nach knapp über zwei Prozent am Ende des vergangenen Jahres, als die Investoren sich nur noch ausschließlich auf die sichersten Vermögenswerte konzentrierten. Doch wenn man die krisenbedingte Verringerung einmal beiseite lässt, dann ist die derzeitige Rendite der Zehnjährigen so niedrig wie sie dies durchweg seit einer Dekade war.

Vorerst hält die US-Notenbank Federal Reserve die kurzfristigen Zinsen nahe bei Null. Doch da die Haushaltsdefizite bereits Druck auf den längerfristigen Treasury-Markt ausüben, könnten die Anzeichen einer Erholung und die Anfänge des Preisdrucks bedeuten, dass sich die Investoren in Staatsanleihen mit längerer Laufzeit bald auf härtere Zeiten einstellen müssen.

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