Trennung von CEO und Chairman
Das Vier-Augen-Prinzip

Wachovia, Washington Mutual und Citigroup haben nun allesamt die Ämter des Chairman und des Chief Executive voneinander getrennt. Das ist an sich gut. Aber die Aufspaltung sieht plötzlich wie ein Signal für Schwierigkeiten aus und nicht wie ein Zeichen für eine ganz normale gute Unternehmensführung. Der Board und der Chef einer großen Bank, die in solider Verfassung ist, müssten mit gutem Beispiel vorangehen.

Die Bosse der größten amerikanischen Banken haben traditionell das Amt des Chairman und des Chief Executive in Personalunion versehen. Es ist gut, dass einige Banken, gezwungen durch die Kreditkrise, mit der Tradition gebrochen und diese Rollen aufgeteilt haben. Aber nachdem, was jüngst passiert ist, scheint die Ämtertrennung plötzlich nur noch zu signalisieren: "Achtung, diese Bank hat Schwierigkeiten!" Ein großes Kreditinstitut, das in einer soliden Verfassung ist, muss mit gutem Beispiel vorangehen.

Wachovia hatte die Ämter vor nicht einmal einem Monat auseinander dividiert, nun aber den CEO Ken Thompson gleich ganz gefeuert. Jetzt sieht es so aus, als habe er seine Amtszeit als "alleiniger" CEO nur deshalb angetreten, weil er wusste, dass er bald den Abflug macht.

In der Zwischenzeit hat sich Washington Mutual einer durch die Aktionäre gestützten, aber nicht bindenden Aufforderung gebeugt, die beiden Posten zu trennen. Damit ist die Ämtertrennung zwar viel besser begründet. Aber man fragt sich trotzdem, ob der ehemals generalbevollmächtigte Kerry Killinger dem zugestimmt hätte, wenn es um WaMu besser bestellt wäre.

Und dann wäre da die angeschlagene Citigroup, die Win Bischoff zum Chairman und Vikram Pandit zum Chief Executive bestellt hat, nachdem sich Chuck Prince Ende des vergangenen Jahres "zurückgezogen" hat.

Diese Banken sollten ihre neuen Hierarchien auch dann beibehalten, wenn die Zeiten wieder besser werden. Die beiden Aufgabenbereiche zu separieren, sorgt für ein ausgewogeneres Gleichgewicht der Kräfte an der Spitze und gibt dem CEO den nötigen Freiraum, die Geschäfte zu leiten, während der Chairman einen gebührenden Abstand zum täglichen Handgemenge halten kann - das ist besonders hilfreich, wenn es sich um komplexe Organisationen wie große Banken handelt.

Natürlich ist es nicht leicht, eine solche Arbeitsteilung erfolgreich umzusetzen, besonders wenn der Amtsinhaber im Unternehmen bleibt. Wells Fargo, zum Beispiel, versucht das jetzt schon seit einem Jahr, obwohl die Dinge in diesem Fall wohl eher so liegen, dass der ehemalige Boss zeitweilig als Chairman agiert, bevor er dem CEO auch noch diesen Titel vermacht.

Ein zusätzliches wachsames Augenpaar an der Spitze könnte vielleicht dazu beitragen, dass die Banken die nächste Krise umgehen können. Daher sollten selbst die Boards von Gruppen wie JPMorgan und US Bancorp, die relativ unbeschadet aus der Krise hervorgingen, gründlich darüber nachdenken. Zwar ist es kaum wahrscheinlich, dass zum Beispiel die Doppelrolle von Jamie Dimon bei JPMorgan aufgelöst wird. Die Bank gibt sich zudem überzeugt, dass ihre Board-Struktur den unabhängigen Mitgliedern bereits eine starke Stimme verleiht. Und doch würde damit genau das Exempel statuiert, das dazu beitragen könnte, die Unternehmensführung bei großen Gesellschaften zum Besseren zu wenden.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%