Trotz Rekordaufträgen
Airbus nicht im siebten Himmel

Der französisch-deutsche Flugzeugbauer übertrifft seinen Erzrivalen Boeing in diesem Jahr bei Aufträgen und Auslieferungen. Den Airbus-Aktien verleiht diese Nachricht allerdings kaum Auftrieb. Das Unternehmen hat noch einen langen Weg zu gehen, bis Anleger ihm so viel Vertrauen entgegenbringen wie seine Kunden.

Airbus-Manager können auf der Luftfahrt-Messe in Dubai erleichtert aufatmen. Der französisch-deutsche Flugzeugbauer dürfte in diesem Jahr einen neuen Rekord bei Aufträgen und Auslieferungen aufstellen, womit Airbus den Konkurrenten Boeing wieder überholen würde. Im vergangenen Jahr blieb den Europäern im vielbeachteten Duell mit dem US-Rivalen nur Platz zwei.

Zwistigkeiten zwischen Anteilseignern, teure Verspätungen bei der Auslieferung des Riesenfliegers A380, häufiges Stühlerücken im Management und der Skandal um möglichen Insiderhandel belasten den Konzern in erheblichem Maße. Die Airbus-Kunden scheinen sich an den Querelen aber nicht zu stören, solange die Flugzeuge aus Toulouse und Hamburg gut in der Luft liegen.

Auch über den hohen Ölpreis hört man bei Airbus derzeit niemanden klagen, schließlich kommt ein Großteil der fetten Aufträge in diesem Jahr von Fluglinien aus Golfstaaten, denen der Kerosinpreis offenbar gleichgültig ist. Mit den Neubestellungen in zweistelliger Milliardenhöhe behauptet Airbus seine Marktposition und zeigt, dass man das Vertrauen der Kunden nicht verloren hat. Wieviel des Rekordumsatzes sich am Ende in Gewinn verwandeln wird, ist allerdings aus zwei Gründen unsicher.

Einerseits könnte Airbus Marktanteile teuer mit hohen Rabatten bezahlt haben, die als Ausgleich für die Verzögerungen beim A380 eingeräumt wurden. Andererseits wird der freie Fall des US-Dollar einen Teil der möglichen Gewinne wieder aufzehren, weil die Kosten bei Airbus zum größten Teil in Euro anfallen.

Die Sorge über die Gewinnwirksamkeit der vollen Auftragsbücher erklärt, warum Anleger die guten Nachrichten aus Dubai mit gebremstem Enthusiasmus aufnehmen. Die Aktien der Airbus-Muttergesellschaft EADS zogen nach Bekanntgabe der Dubai-Aufträge nur spärlich an, und nach dem Absturz im letzten Jahr notieren die EADS-Titel auch in diesem Jahr noch mit zwölf Prozent im Minus.

Die Märkte wissen seit langem, dass Airbus nicht unter mangelnder Qualität seiner Flugzeuge leidet, sondern unter seiner Aktionärs- und Kostenstruktur. Die kontrollierenden Anteilseigner des Unternehmens und sein Management scheinen entschlossen, die Probleme anzugehen. Sie müssen aber erst noch handfeste Resultate vorweisen, damit Investoren bei Airbus wieder Grund zum Jubeln haben.

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