Trotz Wrigley-Deals
Analyse: Buffett braucht mehr Deals

Warren Buffett liebt es, seine Aktionäre zu überraschen. Das macht er fünf Tage vor der Berkshire-Hathaway-Jahreskonferenz wieder einmal. Die Schar seiner treuen Aktionäre wird vom jetzt bekanntgegebenen 6,5-Milliarden-Dollar-Deal begeistert sein, durch den Buffett es Mars ermöglichen wird, Wrigley zu übernehmen. Aber Buffett braucht weitere Abschlüsse von mindestens gleicher Größe.

Warren Buffett liebt es, seine Aktionäre zu überraschen. Am Vorabend der Berkshire Hathaway-Jahreskonferenz vor zwei Jahren kündigte er an, sich mit 80 Prozent an der israelischen Industriegruppe Iscar zu beteiligen. Jetzt, nur fünf Tage vor der diesjährigen Konferenz, ließ er verlauten, 6,5 Milliarden Dollar zu den 23-Milliarden-Dollar beizusteuern mit denen der Süßwarenproduzent Mars das Unternehmen Wrigley übernehmen will.

Also wieder ein Multi-Milliarden-Dollar-Deal für den 77-jährigen Berkshire-Chef. Aber er braucht noch weitere. Das Unternehmen wirft soviel Barmittel ab, dass trotz verschiedener Investitionen, wie 2006 in Iscar und im vergangenen Jahr in einen 60-Prozent-Anteil an den Mormon Holdings der Pritzker Familie – sowie einiger weiter Anlagen – Berkshires Liquiditätsbilanz seit drei Jahren nicht unter die unvorstellbare Summe von 43 bis 45 Milliarden rutscht.

Buffett sieht das Problem. Nach dem Berkshire-Jahresbericht liegen alle Investitionen – Iscar, Marmon und Wrigley – am unteren Ende des von Berkshire angestrebten Anlagevolumens pro Deal von 5 bis 20 Milliarden. Buffett weiß auch, dass er seine astronomisch hohe langfristige Investitionsrendite auf diese Art nicht aufrecht erhalten kann. Dadurch ließe sich auch erklären, warum die Berkshire-Aktien in den vergangenen ruhigeren Monaten hinter dem S&P 500 zurückblieben. Während die Wellen der Kreditkrise im vergangenen Jahr hochschlugen, hatten sie noch vom Ruf eines sicheren Hafens profitiert.

Die Aufgabe große Anlagevolumina unterzubringen wird nicht gerade durch Buffetts Weigerung erleichtert, sich an Auktionen zu beteiligen. Der Mars-Wrigley-Deal bringt den Wrigley-Aktionären vielleicht eine bescheidene Prämie, ist aber nur möglich, weil zwischen den Familien Einvernehmen herrscht. Das passt zu Buffetts Stil und hat ihm in der Vergangenheit auch zu seinem Erfolg verholfen. Aber selbst wenn einige Buyouts auf der Warteliste stehen, kaum eine Aktiengesellschaft – und kaum ein privates Unternehmen – wird darauf verzichten wollen, nach dem Investor zu suchen, der den höchsten Preis zu zahlen bereit ist.

Unter diesen Umständen könnte Buffett vielleicht sogar erwogen haben, Wrigley ganz zu übrnehmen. Aber wahrscheinlich hatte Mars den größeren Firmeneinblick und Buffett blieb seinem eigenen Wahlspruch treu: “Lieber einen Anteil am Hope Diamanten als einen ganzen Strassstein.“ So oder so, er wird am Samstag wieder tausende Aktionäre unterhalten und eine Entschuldigung dafür haben, weiter nur auf der eigenen See’s Candy herumzukauen.

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