Türkei
Alles wird gut

Die Türkei ist politisch und wirtschaftlich in einer gefährlichen Situation. Das Land hat schon die Wirtschaftskrise von 2006 nur mit knapper Not überstanden – und damals waren die Märkte noch liquide. Derzeit weist die Türkei Fehlbeträge in der Zahlungsbilanz und beim Etat auf und die Inflation steigt. Wenn sich die Lage auf den Kreditmärkten verschärft oder es zu einer politischen Krise kommt, sind ernste Schwierigkeiten vorprogrammiert.

Die politische Gefahr, die der Türkei durch die Eröffnung eines Verbotsverfahrens gegen die Regierungspartei AKP durch das Verfassungsgericht erwächst, ist genau so groß wie die wirtschaftlichen Risiken, denen das Land ausgesetzt ist. Die ausgeprägte Wirtschaftskrise im Jahr 2006 hat die Türkei überstanden, weil die globalen Märkte liquide waren. Allerdings weist das Land Defizite bei der Zahlungsbilanz und beim Etat auf und die Inflation steigt. Wenn sich die Lage auf den Kreditmärkten verschärft oder es zu einer politischen Krise kommt, dann sind ernste Schwierigkeiten vorprogrammiert.

Gerade erst im vergangenen Jahr hat die Türkei eine politisch prekäre Situation hinter sich gebracht. Die islamisch-konservative Regierungspartei AKP des Ministerpräsidenten Recep Erdogan war mit großer Mehrheit wiedergewählt worden und konnte so ihren Kandidaten zum Präsidenten machen. Im März stürzten allerdings die traditionell säkular ausgerichteten türkischen Politiker das Land in eine neue Krise, indem sie versuchten, die AKP zu verbieten, da sie der türkischen säkularen Verfassung nicht ausreichend verpflichtet sei.

Wirtschaftlich gesehen hat die Türkei ihre Verbindlichkeiten 2002 umgeschuldet und war 2006 in schwere Turbulenzen geraten. Die Regierung unter Erdogan hat zwar für Wirtschaftswachstum gesorgt und eine Flut an Auslandsinvestitionen ins Land geholt, aber die Stärke der Lira hat zu einem dauerhaften Zahlungsbilanzdefizit geführt. Auch das Regierungsbudget weist nach wie vor einen Fehlbetrag auf, während ein straffer Kurs nach der Wahl durch die erneute politische Krise erschwert wurde. Die Teuerung bewegt sich, beschleunigt durch die steigenden Rohstoffpreise, wieder auf den zweistelligen Bereich zu.

Wenn die internationalen Märkte liquide bleiben und die türkische Regierung an der Macht bleibt, dann könnte alles gut werden. Die Anziehungskraft der Türkei auf ausländische Investoren ist nach wie vor beträchtlich, daher sollte das Zahlungsbilanzdefizit leicht über ausländische Direkt- und Portfolio-Investitionen finanzierbar sein. Der Etatfehlbetrag ist beherrschbar, wenn nicht eine Rezession zuschlägt. Militärische Operationen gegen die Kurden sind teuer und könnten eine Krise herbeiführen, aber das sieht derzeit weniger wahrscheinlich aus als noch vor ein paar Monaten.

Trotzdem bleiben die Risiken hoch. Wenn die Regierungspartei verboten wird, müssen vielleicht auch Verfassungsänderungen vorgenommen werden, wodurch Neuwahlen nötig würden. Zudem machen die enormen Auslandverbindlichkeiten das Land äußerst anfällig für eine Finanzkrise, falls sich die Lage auf den internationalen Märkten verschärft, ein wirtschaftlicher Abschwung einsetzt oder das Vertrauen in die sich entwickelnden Märkte schwindet. Diese Verwundbarkeit kann nur durch eine Periode anhaltender politischer und wirtschaftlicher Stabilität und Ruhe beseitigt werden, während derer das Budget gestrafft wird und die Auslandsschulden zurückgezahlt werden. Wenn die Regierung die jüngste politische Krise abwenden kann, sollte sie eine strenge Sparpolitik verfolgen, um die wirtschaftliche Anfälligkeit der Türkei abzumildern.

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