Tui
Kommentar: Mann über Bord?

Abtrünnige Aktionäre des deutschen Reisekonzerns fordern den Rücktritt des Aufsichtsratsvorsitzenden Jürgen Krumnow. Dank der heimeligen Struktur des Gremiums könnte der die Abstimmung auf der Hauptversammlung am Mittwoch überstehen. Doch nach zehn Jahren schwacher Erträge und angesichts von fast 25 Prozent offen revoltierender Stimmberechtigter scheinen Krumnows Tage gezählt.

Jürgen Krumnows Position bei Tui scheint unhaltbar. Abtrünnige Aktionäre der deutschen Tourismus- und Schifffahrtsgruppe fordern im Zuge einer Umstrukturierung des Aufsichtsrates den Rücktritt des Vorsitzenden. Krumnow könnte die Abstimmung am Mittwoch auf der Hauptversammlung überstehen, weil er von Verbündeten im Gremium unterstützt wird. Da aber fast 25 Prozent der Stimmberechtigten offen gegen ihn sind, tickt für Krumnow die Uhr.

Der norwegische Reederei-Milliardär John Fredrikson als größter Einzelaktionär führt die Revolte an. Fredrikson hat die Unternehmensleitung bereits erfolgreich dazu gedrängt, einer Abspaltung der Schifffahrtssparte Hapag-Lloyd zuzustimmen und die lange verfolgte Zwei-Säulen-Strategie ohne Synergien mit der Touristiksparte Tui Travel aufzugeben. Ein Verkauf von Hapag-Lloyd könnte bis zu fünf Milliarden Euro einbringen.

Das strategische Hin und Her der Tui im Vorlauf der Hapag-Lloyd-Vereinbarung löste bei Fredrikson Sorgen aus hinsichtlich der Schifffahrts-Kompetenz des Aufsichtsrates. Er schöpfte zudem den Verdacht, dass Tui Erlöse bei Tui Travel reinvestieren könnte, selbst wenn dies den Interessen der Aktionäre zuwiderliefe. Fredrikson, der betont, keine Kontrolle über Tui oder Hapag-Lloyd anzustreben, wird von der internationalen Aktionärsberaterfirma ISS und Fonds wie dem britischen Hermes und dem Norwegischen Skagan Fund unterstützt.

Krumnows siebenjährige Amtszeit verdient durchaus eine kritische Betrachtung. Er hielt an Michael Frenzel als Vorstandsvorsitzendem fest, was eine fragwürdige Entscheidung war. Während Frenzels 14 Jahre währender Herrschaft lieferte Tui den Aktionären eine magere Gesamtrendite von drei Prozent, während der deutsche Aktienindex Dax 190 Prozent erbrachte. Während der letzten fünf Jahren steht der Tui-Zuwachs von 91 Prozent in einem äußerst ungünstigen Verhältnis zur durchschnittlichen Wertsteigerung von 152 Prozent bei Reiseunternehmen und 236 Prozent bei Schifffahrtsgesellschaften.

Der Tui-Aufsichtsrat sieht zudem sehr unausgewogen aus. In dem 20 Mitglieder umfassenden Gremium, dass zehn Arbeitnehmervertreter beinhaltet, werden vier Sitze von mit Tui Travel verbundenen Unternehmen besetzt. Insgesamt soll das Gremium, dass keine Schifffahrts-Expertise aufweist, 31 Prozent der Stimmrechte kontrollieren und vorwiegend die Interessen der Reisesparte Tui Travel schützen.

Es wird sicherlich ein enger Kampf. Fredrikson besteht darauf, dass Krumnow gehen muss, wenn er oder seine Gefolgsleute Plätze im Aufsichtsrat besetzen. Selbst wenn der Norweger mit seinem Ansinnen scheitert, dürfte der Druck in Richtung eines Wechsels wohl noch steigen. Krumnows Zeit bei Tui scheint abzulaufen.

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