Turnaround Spezialist
Ackermann Citi-verdächtig?

Eher nicht. Aber allein die Tatsache, dass der Deutsche-Bank-Chef den Führungsposten bei Citi offensichtlich abgelehnt hat, zeigt, wie sich sein Ruf verändert hat. Noch vor einem Jahr saß Ackermann auf der Anklagebank und sein Posten war in Gefahr.

In 18 Monaten kann viel passieren. Josef Ackermann weiß ein Lied davon zu singen. Im vergangenen Jahr wurden noch Wetten abgeschlossen, dass der Deutsche-Bank-Vorstand vor dem Hintergrund der rechtlichen Anschuldigungen würde abdanken müssen. Sein damaliger Aufsichtsratsvorsitzender gab den Spekulationen noch Nahrung. Aber Ackermanns Reputation hat sich so deutlich erholt, dass er als ernsthafter Kandidat für den Chefposten bei der unter Bedrängnis geratenen Citigroup gehandelt wird. Mehr noch, er hat Berichten zufolge das Angebot abgelehnt, eine Bank zu führen, die doppelt so groß wie die Deutsche ist.

Was hat sich verändert? Zunächst einmal ist es Ackermann gelungen, aus dem hochkarätigen Mannesmann -Prozess um unberechtigte Prämienzahlungen herauszukommen, ohne als Präsidiumsmitglied irgendwelche Fehler einzugestehen. Das war Heilung für eine lange schmerzende Wunde. Darüber hinaus trugen die Stellenstreichungen, die Trennung von Industriebeteiligungen und der globale Expansionskurs der Deutschen Bank während des Konjunkturaufschwungs allmählich Früchte.

Aber die größte Feder im Hut hat Ackermann sich wohl als geschickter Steuermann verdient, der die Untiefen der Kapitalmarktkrise bisher geschickt umschifft hat. Ein Teil dieses Erfolgs beruht auf stabilen Geschäftsfeldern, wie zum Beispiel der Vermögensverwaltung. Im schwierigen dritten Quartal gelang es der Deutschen Bank sogar das Ergebnis zu steigern – selbst wenn außerordentliche Erträge und eine Steuerrückzahlung dazu beitrugen, die Wertberichtigungen im Investmentgeschäft abzuwettern.

Deutsche-Bank-Aktien haben seit Jahresbeginn um 13 Prozent nachgegeben, allerdings sind die Kurse der europäischen Konkurrenten UBS und Credit Suisse um 26 beziehungsweise 20 Prozent gefallen. Citis Absturz um 41 Prozent in der gleichen Zeitspanne erklärt, warum Ackermann dem Aufsichtsrat wie ein Mann vorkommt, der auch den nächsten Turnaround meistern könnte.

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