Twitter
Web 2.0 im freien Fall

Bei seiner letzten Finanzierungsrunde wurde der Blog-Dienst Twitter mit 250 Mill. Dollar bewertet. Das ist etwa die Hälfte dessen, was die Firma noch vor drei Monaten zu erzielen suchte. Der immer noch überdimensionierte Wert des sozialen Netzwerks Facebook wurde um drei Viertel eingedampft. Und selbst diese Zahlen könnten immer noch reines Wunschdenken darstellen.

Die Wirtschaft des Web 2.0 befindet sich wirklich im freien Fall. Der Blog-Dienst Twitter wurde, als er sich jüngst Kapital über 35 Mill. Dollar beschaffte, mit 250 Mill. Dollar bewertet. Das ist die Hälfte dessen, was die Firma noch vor drei Monaten zu erzielen suchte. Und der Liebling unter den sozialen Netzwerken, Facebook, hat seinen Wert vor kurzem selbst mit einem Viertel dessen angegeben, was die Offerte von Microsoft im Jahr 2007 impliziert hatte. Doch selbst diese arg ramponierten Zahlen könnten sich noch als überzogen optimistisch erweisen.

Twitter schätzte sich möglicherweise glücklich, überhaupt noch Geld bekommen zu haben. Schließlich liegen die Einnahmen des Dienstes bei Null. Im November hatte sich die Firma angeblich selbst für 500 Mill. Dollar zum Verkauf gestellt. Facebook bot Aktien in diesem Umfang an - und Twitter brach die Gespräche ab. Wenn die Firma jetzt einen Deal akzeptieren würde, der sie gerade einmal drei Monate später um 50 Prozent niedriger bewertet, dann mag das zwar schmerzhaft erscheinen. Aber ihre unendlich hohe Vielfache sieht immer noch stark nach dem Optimismus der Web 2.0-Blase aus.

Seltsamerweise könnte Twitter aber womöglich klug gehandelt haben, als der Dienst Facebook eine Abfuhr erteilte. Denn Facebook hatte seiner Offerte die von dem Microsoft-Gebot implizierte Bewertung von 15 Mrd. Dollar zugrunde gelegt anstatt ihre eigene interne Kalkulation jüngeren Datums heranzuziehen, die auf einen Wert von nur noch 3,7 Mrd. Dollar kommt. Die Einnahmensituation bei Facebook mag vielleicht nicht so absurd sein wie bei Twitter, aber über rund 300 Mill. Dollar im Jahr kommt auch das soziale Netzwerk nicht hinaus.

Während die Einnahmen-Vielfachen, mit denen Twitter, Facebook und andere Web 2.0-Unternehmen versehen sind, nun töricht erscheinen, werden sie vielleicht einmal als Sinnbild für die Tage des jugendlichen Überschwangs angesehen werden. Die Online-Werbung, die diesen Firmen das Rückgrat verleiht, scheint zum Erliegen gekommen zu sein. Die Ausgaben für Display-Anzeigen werden nach jüngsten Schätzungen in diesem Jahr um weniger als neun Prozent zulegen. Vor sechs Monaten waren die Branchenbeobachter noch von einem Plus um 15 Prozent ausgegangen, berichtet das Research-Unternehmen Emarketer. Einige Analysten prognostizieren sogar, dass diese Ausgaben schrumpfen werden. Die Investoren waren von den Aussichten auf Wachstum verführt worden. Wenn sich dies umkehrt, werden selbst die idealistischsten Unterstützer, die diesen Firmen noch verblieben sind, ihre Bewertungen zurücknehmen müssen.

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