UBS
Der Samba ist vorüber

Die UBS verkauft ihre brasilianische Tochter Pactual nach drei Jahren wieder an das Händlergenie André Estevez zurück. Der Preis von 2,5 Mrd. Dollar für die Investmentbank sieht überraschend gut aus. Aber er ist vielleicht nicht hoch genug, um die UBS für die Kosten, die ihrer Privatbank in Lateinamerika entstehen, zu entschädigen.
  • 0

Für die UBS ist der Samba vorüber. Drei Jahre, nachdem die schweizerische Bank 3,1 Mrd. Dollar für den Kauf des Banco Pactual eingesetzt hatte, verschwindet sie vollständig von der Tanzfläche und gibt die brasilianische Investmentbank wieder an den ursprünglichen Eigentümer zurück. Kurzfristig ist diese Kehrtwendung sinnvoll. Aber der robuste Verkaufspreis wird die UBS vielleicht nicht vollständig für die längerfristigen Kosten, die ihrer Privatbank entstehen, kompensieren.

Mit dem Ausstieg schließt die UBS ein bizarres Kapitel ihrer Unternehmensgeschichte endgültig ab. Die Schweizer hatten Pactual im Mai 2006 gekauft und die Transaktion als "Meilenstein" für ihre Strategie auf den aufstrebenden Märkten bezeichnet. André Estevez, Managing Partner von Pactual und ehemaliger IT-Spezialist, wurde prompt zum Chief Executive der lateinamerikanischen Bereiche der UBS ernannt. Sein kometenhafter Aufstieg endete mit seiner Versetzung nach London im August 2007, wo er als Leiter der globalen Abteilung für Festverzinsliche 1,7 Bill. Dollar verwaltete, auch wenn er zuvor niemals außerhalb Brasiliens gearbeitet hatte.

Mit den Geschicken der UBS wendete sich aber auch das Schicksal von Estevez bei der schweizerischen Bank. Im Mai 2008 wurde er wieder nach Brasilien transferiert und von seinen Pflichten im Fixed Income-Bereich entbunden, da die Großbank das Geschäft zurechtstutzte. Bald danach verließ Estevez die Gruppe und gründete seine eigene Firma, die BTG Investments. Diese Firma kauft jetzt Pactual.

Der Verkaufspreis von 2,5 Mrd. Dollar entspricht dem Barwert der ursprünglichen Kaufvereinbarung, die sich aus einer sofortigen Barzahlung über eine Mrd. Dollar und weiteren leistungsabhängigen Zahlungen über 1,6 Mrd. Dollar sowie aus 500 Mill. Dollar einbehaltender Boni, die 2011 zahlbar sind, zusammensetzte.

Die UBS hat aus dem Geschäft Dividenden über 240 Mill. Dollar eingenommen und erhält jetzt rund 600 Mill. Dollar in bar von BTG, die zudem die Rückstellungen der Tochter übernehmen wird. Das Vielfache des Betriebsgewinns von etwa 14 - basierend auf den annualisierten Erstquartalsergebnissen - ist positiv für eine Bank in diesen Märkten.

Da die UBS ihr Risikoprofil senken will, passt es gut, ein Handelsgeschäft abzustoßen, das sich auf die aufstrebenden Märkte konzentriert. Zudem steuert der Verkauf 60 Basispunkte zu der Tier-1-Kapitalquote der Bank bei - eine willkommene Erleichterung, nachdem die Gruppe Anfang April signalisiert hatte, dass sich dieser Wert um 150 Basispunkte reduziert habe.

Doch der Verkaufspreis, so eindrucksvoll er auch erscheinen mag, könnte trotzdem nicht ausreichen, um alle Kosten der UBS abzudecken. Nach dem Verkauf von Pactual ist das Finanzinstitut in Brasilien nicht mehr vertreten - in einem Land, in dem das private Vermögen weltweit mit am schnellsten wächst. Die UBS wird den wohlhabenden Brasilianern zwar immer noch mit Offshore-Diensten zur Verfügung stehen. Und zumindest der BTG-Deal wird die Bank auch nicht daran hindern, in Brasilien etwas Neues aufzubauen. Aber vorerst werden ihre langfristigen Ambitionen in der Region wohl warten müssen.

Kommentare zu " UBS: Der Samba ist vorüber"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%