UBS
Gemischtes Erbe

Was die krisengeschüttelte Schweizer Bank wirklich gut beherrscht, sind Aktienanalyse und Aktienhandel. Der Beweis hierfür: zum achten Mal in Folge gewann die Bank beim Extel Survey den Spitzenplatz in dieser Kategorie. Das Geschäft hat lange Tradition und wurde UBS bereits in die Wiege gelegt, anders als zum Beispiel die Spekulation mit amerikanischen Hypothekendarlehen. Schade um die Gewinne.

Als S G Warburg 1995 vom damaligen Schweizerischen Bankverein (SBV) übernommen wurde, war die britische Investmentbank durch ihre schlecht vorbereitete US-Expansion geschwächt, rühmte sich aber ihrer langjährigen Vorreiterrolle bei der Analyse europäischer Aktien sowie im Börsenhandel. Manche Dinge ändern sich offenbar nie.

SBV schloss sich drei Jahre später mit der Schweizerischen Bankgesellschaft, der Union Bank of Switzerland, zusammen. Das fusionierte Unternehmen übernahm das Management und die Initialen der Union Bank. Die UBS hat ihr Gesicht mit dem Lauf der Zeit verändert, aber eine Konstante blieb: die Führerschaft im Aktiengeschäft. Am Mittwoch gewann die Bank beim Thomson Reuters Extel Survey den Preis für das beste europäische Aktienresearch, im achten Jahr in Folge.

Man könnte sagen, der Erfolg ist genetisch vorprogrammiert. Aktien- und Marktanalyse können nur funktionieren, wenn das Top-Management sie als Kerngeschäft betrachtet, als eine Quelle, auf die man stolz sein kann und die auch Gewinne einbringt. Das bedeutet, dass der Geschäftszweig von guten Managern geleitet wird und Stellenstreichungen auch in schlechten Zeiten auf ein Minimum begrenzt bleiben. Von Warburg über SBV bis UBS war dieses Engagement immer vorhanden.

Traurig nur, dass auch die schlecht durchdachte US-Expansion in den Genen von UBS verankert zu sein scheint. Hinter der gescheiterten Spekulation mit verbrieften US-Hypotheken stand der Wunsch, schnell auf dem New Yorker Markt zu wachsen. Die Kosten dafür summieren sich inzwischen auf 37 Milliarden Dollar an Abschreibungen. Es gibt sogar Gerüchte, dass die verpfuschte US-Expansion dem Warburg-Erben die Unabhängigkeit kosten wird.

Früher galt Research als verlorenes Geld, wenn es auch nicht gerade Unsummen kostete. Dann sah man die Analyse als ein Kostencenter innerhalb des Invetmentbanking.

Heute können die Analysten kaum noch mit den Bankern sprechen und die Researchabteilungen müssen aus eigener Kraft Geld verdienen. Das ist vielleicht möglich - die interne Rechnungslegung ist hier etwas undurchsichtig - aber die hohen Gehälter für knapp gesäte Talente sorgen dafür, dass die Analysen stärker zum unternehmerischen Stolz als zum Cashflow beitragen. UBS muss wohl darauf hoffen, dass die Researchabteilung zumindest halb so profitable ist, wie die US-Aktivitäten schmerzhaft sind.

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