UBS/Jerker Johansson
Cui bono

Mega-Abschreibungen, eine Notfall-Bezugsrechtsemission und der Hinauswurf des Verwaltungratspräsidenten sollten eigentlich für niemanden bei der schweizerischen UBS als gute Nachrichten gelten. Und doch dürfte der ganze Schlamassel das Leben für Jerker Johansson leichter machen, der erst vor zwei Wochen einen der härtesten Jobs im Bankengeschäft angetreten hat.

Jerker Johansson könnte als einer der wenigen Gewinner aus den Verlusten der UBS hervorgehen. Der Banker, der 22 Jahre lang bei Morgan Stanley seinen Dienst versehen hat, leitet gerade einmal seit zwei Wochen die Investmentbank der UBS und hat damit einen der härtesten Jobs im Bankengeschäft inne.

Seine Ernennung war am 13. Februar bekannt gegeben worden, also einen Tag vor dem Ergebnismassaker der Großbank am Valentinstag. Am 1. April schließlich wartete das Kreditinstitut mit weiteren Verlusten im Zusammenhang mit Hypothekendarlehen, einer erneuten großen Kapitalerhöhung und dem Hinauswurf von Marcel Ospel, dem zähen Verwaltungsratspräsidenten, auf.

Wenn aber einer bei UBS unbeschadet aus dem ganzen Schlamassel herauskommt, dann ist das Johansson. Wie man hört, war er unter den Top-Managern, die sich für die Bezugsrechtsemission über 15 Mrd. Dollar ausgesprochen haben. Das ergibt Sinn – er hatte viel zu gewinnen und wenig zu verlieren. Das war die Gelegenheit für ihn, der UBS schon früh seinen Stempel aufzudrücken, auch wenn die endgültige Entscheidung vom Verwaltungsrat kommen musste.

Natürlich kürzt die UBS ihr Investment Banking – Stellen werden abgebaut, der Eigenhandel wird reduziert und nach dem Risikogehalt gewichtete Aktivpositionen verringert. Aber das neue Kapital, das gesammelt werden soll, könnte verhindern, dass die Einschnitte in das Geschäft von Johansson zu tief gehen.

Die UBS lagert zudem den Großteil des verbleibenden kränkelnden Hypotheken-Portfolios in eine neu geschaffene „Bad Bank“ aus. Damit wird Johansson so etwas wie ein Neustart ermöglicht, der das Zeug dazu hat, relativ gut auszufallen. Er wird wahrscheinlich das Hauptaugenmerk wieder auf Dividendenpapiere richten, mit denen er die meiste Erfahrung hat, und auf M&A.

Der Höhepunkt der Krise bei UBS scheint überstanden. Und der 51jährige Schwede ist gerade rechtzeitig gekommen, um bei der Richtung, die die Bank einschlagen sollte, ein kräftiges Wörtchen mitzureden. Er wird den Vorteil haben, mit einem Passagier auf der Rückbank weniger steuern zu können. Ospel, der drei Jahrzehnte bei der UBS und ihren Vorgängerfirmen gearbeitet hatte, hatte die Investmentbank mit einer Reihe von Abschlüssen praktisch eigenhändig aufgebaut.

Und er war bekannt dafür, sich mit Untergebenen zu zerstreiten. Das soll jetzt aber auch nicht heißen, dass auf Johansson ein Sonntagsausflug wartet. Aber er ist einer der wenigen, die bei der UBS noch vor einem leichteren Weg stehen.

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