UBS
Keine Verlockung

Ohne verzerrende Sondereffekte hätte die UBS im zweiten Quartal statt eines Verlusts über 1,4 Mrd. sfr schwarze Zahlen geschrieben. Die schweizerische Bank hat sich weitgehend gefangen, wie auch ihr Aktienkurs zeigt. Doch angesichts einer angespannteren Lage beim Kapital und dem Verschuldungskoeffizienten, anhaltender Abflüsse und eines schwächeren Marktanteils wird die Erholung wahrscheinlich langsam verlaufen.
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Die UBS hinkt der Konkurrenz hinterher. Doch so weit abgeschlagen, wie die jüngsten Quartalszahlen dies auf den ersten Blick vermuten lassen, ist die schweizerische Bank nun auch wieder nicht. Rechnet man einige verzerrende Sonderbelastungen aus dem Verlust über 1,4 Mrd. sfr heraus, dann ist das Kreditinstitut im zweiten Quartal tatsächlich in der Gewinnzone gelandet. Der Verlust sieht zwar überzogen aus, dennoch deuten die Ergebnisse auf eine nur langsame Erholung hin.

Um sich ein besseres Bild von der Stabilität, die die UBS erreicht hat, machen zu können, sollte man zunächst die Belastung von 1,2 Mrd. sfr durch Buchverluste auf eigene Verbindlichkeiten wieder hinzuaddieren, die sich aus der Verbesserung der eigenen Kreditqualität der Bank ergaben. Aufgrund von Bilanzierungsrichtlinien schlägt sich das erhöhte Vertrauen der Investoren in die Bank auf verquere Weise in Einbußen nieder. Dann sollte man Umstrukturierungsbelastungen über 582 Mill. sfr beiseite lassen, die im Zuge der Bemühungen angefallen waren, die UBS zu verschlanken. Sie bestanden aus Entlassungsabfindungen und Abschreibungen auf Immobilienwerte, die von den Buchprüfern verlangt werden, wenn sich die Büros leeren.

Und schließlich entstand eine Goodwill-Abschreibung aus brasilianischen Währungsgewinnen von 492 Mill. sfr im Zusammenhang mit dem Verkauf der brasilianischen Investmentbanking-Tochter Pactual, der ein kompliziertes Geflecht aus drei verschiedenen Währungen beinhaltete. Doch dieser Aufwand hat keine Auswirkungen auf die liquiden Mittel oder das Kapital. Ein Teil davon wird im kommenden Quartal, wenn der Verkauf abgeschlossen wird, in einen Gewinn verwandelt.

Doch selbst um diese Besonderheiten bereinigt lag die Eigenkapitalrendite der Bank nur bei mageren 2,5 Prozent. Eine knappere Mittelaufnahme der Banken und eine straffere Kapitalregulierung führen dazu, dass die UBS eine Eigenkapitalrendite von weit über neun Prozent in nächster Zeit nicht ins Auge fassen kann, wie die Bank sie vor 2006 gewöhnlich ausgewiesen hatte, als sich der Fremdkapitalanteil auf das 40fache des um immaterielle Vermögenswerte bereinigten Eigenkapitals mehr als verdoppelt hatte.

Zudem muss sich die UBS der schwierigen Aufgabe stellen, verlorene Geschäfte zurückzuerobern. Auch wenn der Exodus der rentableren Inlandskunden fast gestoppt wurde, halten die internationalen Abflüsse an. Der Anteil der Investmentbank am globalen Gebührenpool schrumpft immer noch, wovon die geschäftshungrigen und solider aufgestellten Wettbewerber profitieren. Darüber hinaus drohen weitere Kreditverluste.

Doch es gibt auch Lichtblicke. Die UBS kann sich scheinbar nun endlich darauf vorbereiten, den langwierigen Steuerstreit mit den USA hinter sich zu lassen. Das sollte auch die Schweizerische Nationalbank dazu bewegen, ihren Anteil an der UBS zu verkaufen und damit einen weiteren Überhang zu beseitigen.

Allerdings werden die Aktien zum 1,5fachen des Buchwerts und damit über dem Branchendurchschnitt gehandelt. In die Bewertung scheinen schon allerhand gute Neuigkeiten eingepreist zu sein. Angesichts all der Arbeit, die auf die Bank zukommt, und da weit und breit keine Dividende in Sicht ist, hat eine Investition in die UBS immer noch nicht viel Verlockendes.

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