UBS
Langsamere Reisegeschwindigkeit

Die Großbank UBS hat im dritten Quartal wegen ihres Engagements im US-Hypothekenmarkt Verluste über 4,4 Mrd. Dollar verkraften müssen. Und das war wahrscheinlich noch nicht alles. Der neue Konzernchef will weniger Risiko. Doch mittlerweile bewegt sich die Bilanz aufgrund des Subprime-Debakels in eine andere Richtung. Die Investoren müssen sich auf niedrigere Erträge aus geringeren Vermögenswerten einstellen.

Seid vorsichtiger. Wie ein Autofahrer, der gerade einen grauenhaften Unfall überlebt hat, hat das neue Management-Team von UBS seine Lektion gelernt. Für die Aktionäre der schweizerischen Großbank wird die künftige Reise weniger rentabel ausfallen.

Der Unfall war aber auch Furcht erregend. Ein Verlust über 5,3 Mrd. sfr bzw. 4,4 Mrd. Dollar bei US-Hypothekendarlehen zweitklassiger Bonität bescherten dem Institut im dritten Quartal einen Fehlbetrag über 830 Mill. Franken. Beide Minuszahlen sind somit noch ein wenig schlechter ausgefallen, als die Bank vor einem Monat nahe gelegt hatte. Der neue Konzernchef Marcel Rohner hat zudem eingeräumt, dass weitere Abschreibungen auf Hypothekendarlehen wahrscheinlich seien. Die Ausfalltendenz beim Hypotheken-Portfolio der Bank, das mit 39 Mrd. Dollar bewertet wird, ist entmutigend.

Also will Rohner einen Rückzieher machen. Er hat erkannt, dass Absicherungen nicht immer funktionieren – im Hypothekengeschäft haben sie die Verluste nur um 21 Prozent gemildert. Der einzig sichere Weg, geringere Risiken einzugehen, besteht darin, weniger Wetten mit niedrigerem Einsatz abzuschließen.

Aber die Bilanz der Bank bewegt sich in die falsche Richtung. Die Eigenkapitalquote der Kategorie 1, die Standardmesslatte der Branche für die Kapitalstärke, ist im vergangenen Jahr von 12,2 Prozent auf 10,6 Prozent gefallen. Mit anderen Worten: Die UBS muss ihre nach dem Risikogehalt gewichteten Aktiva – ein Maßstab der Risiko-Einschätzung – um 15 Prozent zurückfahren, nur um wieder dahin zu kommen, wo sie vor einem Jahr schon einmal war. Wenn die Bank wirklich konservativ werden will, müssen die Kürzungen umfangreicher ausfallen.

Die rückläufige Eigenkapitalquote der Kategorie 1 lässt sich weitgehend mit den Eigenheiten der Bankenregulierung erklären. Aber es handelt sich hier nicht einfach nur um eine Besonderheit in der Rechnungslegung. In den vergangenen Jahren war die Balance zwischen Risiko und Ertrag tatsächlich weniger attraktiv, als die Bank damals dachte.

Jetzt wird also die Investmentbank, die 2005 und 2006 rund 40 Prozent zum Betriebsgewinn der Bank beigetragen hatte, versuchen, weniger wagemutig zu sein. Somit wird das solid rentable und stetig wachsende Vermögensverwaltungsgeschäft erst so richtig erstrahlen können.

Aber geringere Risiken bringen niedrigere Erträge mit sich. Die Eigenkapitalrendite von UBS dürfte von einem Niveau von 27 bis 28 Prozent für 2005 und 2006 auf das Unternehmensziel von 20 Prozent fallen. Das ergäbe einen Gewinn je Aktie von rund 5,60 Franken. Die Aktien der Bank werden derzeit zum Elffachen dieser Basis gehandelt. Das ist nicht viel, aber es dürfte sich auch nicht weiter erhöhen, bis die Hypotheken-Abschreibungen nicht wirklich abgeschlossen sind.

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