UBS
Rufschädigung

Die UBS hat ein britisches Gericht davon überzeugen können, einem Start-Up in einer einstweiligen Verfügung zu untersagen, Mitarbeiter oder Kunden der schweizerischen Bank abzuwerben. In den USA konnte die Bank einen Richter dazu bewegen, die Klage eines Hedge Fonds gegen sie abzuweisen. Doch diesen kleineren Siegen stehen juristische Herausforderungen gegenüber, die viel schwerer wiegen.

Die UBS hat vor Gericht einige kleinere Siege davongetragen. Die schweizerische Bank hat in Großbritannien eine einstweilige Verfügung erwirkt, die es Vestra, einem Start-Up für die Vermögensverwaltung wohlhabender Kunden, das von ehemaligen UBS-Mitarbeitern gegründet worden war, untersagt, Kundenberater oder Kunden der Großbank abzuwerben. Nun muss Vestra mindestens bis zu der für Oktober angesetzten Gerichtsverhandlung warten, bevor sie weiteren Schaden anrichten kann. Und jüngst konnte die UBS einen New Yorker Richter davon überzeugen, die Klage eines zusammengebrochenen Hedge Fonds abzuweisen, der zufolge die für Prime Brokerage zuständige Abteilung des Instituts auf betrügerische Weise an Interessenskonflikten mindestens 100 Mill. Dollar verdient hat.

Doch auf die Bankengruppe warten andere juristische Auseinandersetzungen größerer Tragweite. Die US-Steuer- und Justizbehörden haben den Druck bei ihrer Untersuchung erhöht, in deren Mittelpunkt die Offshore-Vermögensberatung von UBS steht, die ihren reichen Kunden bei der Steuerhinterziehung mit Rat und Tat zur Seite gestanden haben soll. Davon unabhängig wirft der New Yorker Generalstaatsanwalt der UBS vor, aggressiv Auction-Rate Securities (ARS) an einige nichts ahnende Kunden verkauft zu haben, auch wenn die Bank-Experten längst gewusst hatten, dass der breitere Markt für diese einst als sicher geltenden Anleihen mit langer Laufzeit, deren Zinssatz in kurzen Abständen bei Auktionen neu festgesetzt wird, austrocknet. Der Staat will nun landesweite Schadensersatzzahlungen durchsetzen und versucht, die UBS dazu zu zwingen, rund 25 Mrd. Dollar der langfristigen Bonds zum Nennwert bzw. zu beträchtlich mehr als ihrem derzeitigen Wert zurückzukaufen.

Dem US-Bundesstaat Massachussetts hat die UBS bereits 41 Mill. Dollar gezahlt, um ähnlich lautende Ansprüche zu begleichen. Und es dürften noch weitere Zahlungen in beträchtlicher Höhe folgen, da verärgerte Investoren aus dem öffentlichen und dem privaten Bereich auf allen erdenklichen Wegen auf Vergeltung für ihre während der Kreditkrise entstandenen Verluste aus sind. Die Fälle bringen auch eine gewaltige Unruhe in das eigentliche Geschäft des Instituts, denn die UBS-Banker verbringen gezwungener Maßen mehr Zeit vor Gericht als mit ihren Kunden.

Der größte Schaden aber entsteht dem Ruf der UBS. David Aufhauser, General Counsel des Investment Banking und der Regionen Amerikas der UBS, ist nach den jüngsten Schwierigkeiten um die ARS zurückgetreten, auch wenn bisher keine Anklage gegen den Chefjuristen der Bank erhoben worden ist. Das Kerngeschäft Private Banking der UBS leidet unter massiven Mittelabflüssen - selbst ohne ein Überlaufen von Mitarbeitern und Kunden wie im Fall von Vectra -, während die Investmentbank hart darum kämpft, ihre Talente zu behalten. Alles in allem, werden sich die Verluste summieren.

Als Peter Kurer, der ehemalige General Counsel von UBS, im April zum neuen Verwaltungsratspräsidenten des Instituts befördert wurde, war seine Ernennung nicht einhellig begrüßt worden. Juristen haben sich ja auch nicht gerade mit Ruhm bekleckert, wenn es um die Leitung einer Bank geht - wobei Chuck Prince, ehemals Citigroup, nur das jüngste Beispiel ist. Aber angesichts all der juristischen Streitigkeiten, denen sich die UBS ausgesetzt sieht, könnte sich der Wirtschaftsjurist Kurer schließlich doch noch als der richtige Mann zum richtigen Zeitpunkt erweisen.

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