UBS
Züricher Wechselschritt

Die Wahl des neuen Verwaltungsratspräsidenten der UBS signalisiert, dass das schweizerische Kreditinstitut jetzt andere Prioritäten setzt. Peter Kurer hat unter fast katastrophalen Umständen alles getan, was in seiner Macht stand. Jetzt, da sich die Hauptfrontlinie auf die politische Ebene verlagert, erscheint es richtig, mit Kaspar Villiger einen Ex-Finanzminister an die Spitze des Verwaltungsrats zu setzen.

Die UBS hat alles aus Peter Kurer herausgeholt, was möglich war. Der Chefjurist der schweizerischen Bank war im vergangenen Jahr zum Verwaltungsratspräsidenten gekürt worden, weil man - zu Recht, wie sich herausgestellt hat - mit gerichtlichen Attacken gerechnet hatte. Aber jetzt verläuft die Hauptfrontlinie am schweizerischen Bankgeheimnis entlang, die einen wahrscheinlich Jahre währenden politischen Feuersturm erwarten lässt. Damit sieht Kaspar Villiger, ehemaliger Finanzminister der Schweiz, genau wie der richtige Mann für dieses Amt aus.

Kurer hat viel erreicht - und schnell. Er hat die Bilanz der UBS, ihre Risikobereitschaft und die Investmentbank eingedampft. Kurer hat früh einen Standard gesetzt, was die Neugestaltung der unsinnigen einseitigen Vergütungsprogramme der Branche angeht und er hat den ersten Schritt eingeleitet, um der Bank über die destabilisierende strafrechtliche Verfolgung durch die amerikanischen Steuerbehörden hinwegzuhelfen.

Er hat das dysfunktionale Corporate Governance-System, das während der Ägide seines Vorgängers Marcel Ospel eingeführt worden war, demontiert. Doch auch Kurer war mit der Vergangenheit der UBS verknüpft, und dies hat ihn letztendlich den Kopf gekostet. Er konnte sich nicht aus dem quälenden Dilemma befreien, ob er als Chefjurist mitschuldig an den zugegebenen kriminellen Machenschaften der UBS-Privatbank in den USA war, oder ob er nur nichts davon mitbekommen hat.

Kurers Entscheidung, sich nicht zur Wiederwahl zu stellen, und die Nominierung von Villiger zum Verwaltungsratspräsidenten erfolgen nur wenige Tage, nachdem Oswald Grübel Marcel Rohner als Konzernchef abgelöst hat. So wie Grübel die passenden Referenzen vorweisen kann, um die UBS weiter umzubauen, so bringt Villiger politische Erfahrungen mit, die auf die nächste Front der Bank zugeschnitten sind.

Die Schweiz kämpft gleich an mehreren Stellen gegen Angriffe auf das Bankgeheimnis, wobei dieser Tresor schon von den USA geknackt worden ist. Villiger war Finanzminister, als das Land zuletzt einer solch intensiven Überprüfung ausgesetzt war. Damals war die Schweiz zurückgewichen, indem sie ein Gesetz gegen Geldwäsche erließ und mit der EU übereinkam, einige Steuern einzubehalten. Aber das Vertraulichkeitsprinzip war im Großen und Ganzen unangetastet geblieben.

Es ist immer noch ungewiss, ob sich die UBS vollständig von ihren derzeitigen Schwierigkeiten erholen kann. Aber wenigstens kann die Bank mit Grübel und Villiger ein solides Team vorweisen, um einen vernünftigen Versuch wagen zu können.

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