Überlebende der Krise
Was machen Sie denn noch hier?

Zwar mussten viele Oberleutnants bei den Banken vor oder nach ihren Chefs den Hut nehmen. Aber einige haben doch überlebt. Der frühere Finanzvorstand von Merrill zumindest hat mittlerweile wieder einen Bankjob angenommen. Aber es ist schon verwunderlich, dass Bob Rubin von Citigroup, Marco Suter von UBS und andere immer noch auf denselben Posten verharren wie vor der Krise - oder sogar noch befördert worden sind.

Ein Jahr währt die Kreditkrise nun schon. Sie hat viele Oberleutnants bei den Banken dazu gezwungen, vor oder nach ihren Chefs den Hut zu nehmen. Aber eine Hand voll Spitzenmanager sowohl in den USA als auch in Europa hat auf wundersame Weise überlebt.

Nicht alle von ihnen haben immer noch das gleiche Amt inne. Der ehemalige Finanzvorstand von Merrill Lynch, Jeff Edwards, ist ins Bankengeschäft zurückgekehrt und fungiert jetzt als leitender Beauftragter für die Kundenbeziehungen. Das hört sich vielleicht so an, als wolle man ihm damit nahe legen, doch möglichst bald zu verschwinden. Aber für Edwards bedeutet dies zumindest, dass er relativ elegant auf seinem Fachgebiet Zuflucht finden konnte.

Chris O?Meara dagegen arbeitet nach wie vor als Leiter des Risiko-Managements von Lehman Brothers - diesen Posten hatte er im Dezember übernommen, nachdem er zuvor drei Jahre lang als Finanzvorstand fungiert hatte. Sein Amtsantritt im Risiko-Management fiel mit dem Aufbau der vergifteten Engagements der Firma bei Subprime-Hypothekendarlehen zusammen. Lehman-Boss Dick Fuld hat ihn bei der Entlassungswelle im vergangenen Monat ausgespart, die die Nachfolgerin von O?Meara im Amt des Finanzvorstands, Erin Callan, und Fulds zweiten Mann, Joe Gregory, hinweggespült hat.

Auch das Fortkommen von Filip Dierckx bei der belgisch-niederländischen Finanzgruppe Fortis gibt Rätsel auf. Vorstandschef Jean-Paul Votron wurde zum Sündenbock für die katastrophale Rolle des Finanzkonzerns bei der Akquisition von ABN Amro und der sich daraus ergebenden Notwendigkeit, Kapital zu sammeln, gemacht. Aber es war Dierckx gewesen, der den einst unauffälligen Kreditanbieter in Collateralised Debt Obligations hineingezogen hatte, also in Wertpapiere, die mit einem Pool von Anleihen, Krediten und anderen Vermögenswerten, darunter auch US-Hypothekendarlehen zweitklassiger Bonität, unterlegt sind. Seine Strafe bestand darin, dass er im Januar zum Chairman der gesamten Bankengruppe befördert wurde.

Äußerst verwunderlich ist auch, dass Bob Rubin von Citigroup und Marco Suter von der UBS immer noch hinter denselben Schreibtischen zu finden sind wie vor der Krise. Rubin hat während seiner fast neun Jahre bei Citigroup mehr als 100 Mill. Dollar verdient, behauptet aber, sich nicht für die Riesenverluste der Bank verantwortlich zu fühlen. Tatsächlich schien es sich, zumindest im vergangenen Jahr, bei seiner Rolle als nicht hauptberuflich in dem Unternehmen tätiges Board-Mitglied eher um den gescheiterten Versuch gehandelt zu haben, den umstrittenen Chef Chuck Prince im Amt zu halten, als darum, die Probleme der Bank auseinender zu dividieren.

Was Suter angeht, so stellt er das letzte verbliebene Rudiment aus dem aufgelösten Chairman-Büro von Marcel Ospel dar. Dort war Suter für die Risiko-Strategie der Bank zuständig gewesen, nachdem er zuvor als Chief Credit Officer verantwortlich gezeichnet hatte. Trotz der milliardenschweren, die Bank destabilisierenden Verluste, die vermutlich auch etwas mit einer armseligen Risikokontrolle zu tun hatten, wurde Suter im Oktober mit einer Beförderung zum Finanzvorstand belohnt.

Da sie dem Sturm bisher die Stirn geboten haben, müssen die Arbeitgeber diesen Überlebenden einen gewissen Wert beimessen. Aber der Gegenwind hat sich noch nicht gelegt.

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