Übernahme
Wenn die Postbank zweimal klingelt

Mit dem Sieg über die Mitbieter um die Postbank ging Deutsche Bank Chef Josef Ackermann einen unerwartet teuren Deal ein. Deutschlands größtes Geldhaus stimmte im September einem Kaufpreis von bis zu 4,4 Mrd. Euro für 50 Prozent Anteil an der Postbank zu – die derzeit gerade einmal 1,4 Mrd. Euro wert sind. Zwar kann die Deutsche Bank den Verkäufer, die Deutsche Post, kaum beeinflussen. Widerstand sollte sie dennoch leisten.

Der Marktwert der Postbank bröckelte nach großen Verlusten bei ihren Equity- und Structured Credit Portfolios, sie könnte 2009 bis zu einer Milliarde Euro Verluste schreiben. Für die Deutsche Bank ein doppelter Tiefschlag: noch in diesem Quartal muss sie 30 Prozent der Postbank für 2,9 Mrd. Euro übernehmen, später noch einmal 20 Prozent für 1,5 Mrd. Damit bezahlt die Deutsche Bank den 3,7-fachen Preis des derzeitigen Firmenwerts.

Von Beginn an bot die Transaktion nur geringe Verlockungen für die Aktionäre der Deutschen Bank. Vorteile bringt einzig das erwartete Cross-Selling an die 14 Millionen hauptsächlich gering verdienenden Kunden mit ihrem dicken Polster an Erspartem. Zudem verringert die Deutsche Bank ihre Belastungen durch den Investmentsektor. Ihre Aktionäre könnten das jedoch auch selbst durch ihren Wechsel zur Postbank erledigen.

Ein Deal ist ein Deal. Doch Kapital ist derzeit so teuer wie selten. Erst kürzlich stieß die Deutsche Bank ihre Kunden vor den Kopf, als sie die Tilgung von Optionsanleihen platzen ließ mit der Begründung, man könne den Aktionären die zusätzlichen Refinanzierungskosten nicht zumuten. Wie sie dann erst den dreifachen Preis für ihre wenig gewinnversprechenden Postbank-Anteile rechtfertigen will, bleibt schleierhaft.

Die Deutsche Post sieht verständlicherweise wenig Grund für ein Entgegenkommen. Ackermann hat zwei Möglichkeiten. Er könnte tricksen und statt Bargeld Aktien anbieten. Ein anderer Weg wäre ein Appell an die Obrigkeit: Schließlich hält die Bundesregierung durch die KfW ein Drittel an der Postbank. Sollte die überlastete Deutsche Bank einmal eine Finanzspritze benötigen, hätte sie den Staat am Haken.

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