Übernahmedrama
Was ist bei PCCW schon normal?

Richard Li hängt in der Warteschleife. Der Sohn von Li Ka-Shing, Hongkongs reichstem Mann, begann das Privatisierungsvorhaben seiner Telekom-Firma PCCW letzten November. Fünf Monate später ist der Deal noch immer nicht durch. Und der Aktienpreis deutet auf weitere Wartezeiten hin. Obwohl die Aktionäre für die Übernahme stimmten, dümpelt der Aktienkurs zehn Prozent unter Lis Angebot.
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Normalerweise würden Arbitrageure diese Lücke im Nu füllen. Was aber ist bei PCCW schon normal? Im Jahr 2000 zahlte Li einen Wucherpreis für den Hongkonger Konzern. Die Aktien sind seither um 95 Prozent gefallen. Dreimal scheiterte Li mit seinen Verkaufsbemühungen. Jetzt ist er auf die Käuferseite gewechselt und noch immer zweifeln die Arbitrageure.

Warum? Zum Einen sind die Behörden darauf erpicht, den Deal zu verhindern. Hongkongs Securities and Futures Commission behauptet, ein PCCW-Manager hätte Anteilsscheine unlauter verschoben. Örtliche Marktgesetze schreiben vor, dass eine Aktionärsmehrheit sowie die Inhaber der Aktienmehrheit einer Übernahme zustimmen muss. Die SFC behauptet, PCCW hätte Anteilsscheine verteilt, um mehr Aktionäre zur Zustimmung zu bewegen.

Die Praxis mag anrüchig sein, doch die Gerichte halten sie für legal. Damit ist Lis Übernahmeplan noch nicht vollständig gescheitert. Nun hat die SFC erneut ihr Veto eingelegt, was weitere monatelange Verzögerungen zur Folge haben kann. Selbst bei einer dreimonatigen Wartezeit könnte aber auf Investoren, die heute einsteigen, eine saftige 40-prozentige Rendite warten.

Ein weiterer Grund für das Zögern der Käufer: Seit Lis Angebot im November sind die Märkte drastisch eingebrochen. Die Aussichten für hochverschuldete Telekom-Unternehmen wie PCCW sind düster. Das Ablaufen der ursprünglichen Offerte am 22. April gäbe Li noch eine Chance auf einen Abgang in Würde.

Noch will Li offenbar nicht aus dem Unglücks-Deal ausbrechen. Die Regulatoren können dreimalig Einspruch erheben. Selbst wenn Li durchhält, wird sich sein Mitinvestor, die staatliche China Netcom, nicht über endlose Verzögerungen und schlechte Berichterstattung freuen. Vielleicht haben die Arbitrageure also doch recht.

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