Übernahmefieber
Wer bekommt das Bud, bitte?

Die Offerte der belgisch-brasilianischen InBev für Anheuser-Busch beginnt, die politische Stimmung aufzuheizen. InBev hat im Vorgriff auf eine Auseinandersetzung einige Schwergewichte unter den Washingtoner Lobbyisten an Bord geholt, darunter den ehemaligen Mehrheitsführer im US-Senat, Trent Lott. Aber eine Schlacht, die weit über St. Louis hinausreicht, könnte die US-Märkte beschädigen.

Wird Otto Normalverbraucher die Ambitionen von InBev, sich den "König der Biere" einzuverleiben, kippen? Das politische Klima um die unerwünschte Übernahme-Offerte der belgisch-brasilianischen Brauerei über 47 Mrd. Dollar für Anheuser-Busch heizt sich mancherorts heftig auf. Wenn sich die Temperatur nicht zurückfahren lässt, könnte dies die Hoffnungen von InBev gehörig durchkreuzen - und die Referenzen Amerikas als freie Marktwirtschaft eintrüben.

Momentan sieht es noch so aus, als ob der Widerstand gegenüber dem Deal auf das Gebiet begrenzt sei, das sich innerhalb des Umgehungsrings des Highway 270 um die Heimatstadt des Budweiser-Brauers St. Louis im US-Bundesstaat Missouri befindet. Der Gouverneur des Bundesstaats hat das Geschäft als "zutiefst beunruhigend" bezeichnet und eine seiner Senatorinnen bekannte, "aus tiefstem Herzen gegen den Verkauf" zu sein. Solche Reaktionen sind keine Überraschung.

Bud gehört dort zu den Hauptarbeitgebern. Die ganze Region ist stolz auf die Brauerei. Trotz des Versprechens von InBev, die Zentrale von Bud beizubehalten, wollen die Belgier bei ihrer Beute die Kosten voraussichtlich um 1,4 Mrd. Dollar senken - das könnte einige Arbeitsplätze gefährden.

InBev scheint sich allerdings vorsorglich für Größeres zu rüsten, als eine auf St. Louis und Umgebung beschränkte Schlacht. Wie Breakingviews erfahren hat, hat die Brauerei eine Schar von einflussreichen Lobbyisten angeheuert, unter denen sich die Breaux befindet, die von dem ehemaligen Mehrheitsführer im US-Senat, Trent Lott, und dem ehemaligen Senator der Demokraten, John Breaux, geleitet wird.

Es ist kaum nachvollziehbar, warum InBev ein Aufgebot an Superstars aus der K-Street, dem Lobbyistenzentrum der amerikanischen Hauptstadt, benötigt, wenn die Brauer davon ausgingen, dass der politische Aufruhr innerhalb der Grenzen Missouris bleibt. Aber InBev - und vielleicht auch die Bud-Aktionäre - muss sich darüber Sorgen machen, dass der Busch-Clan, die Gründerfamilie von Anheuser-Busch, als Teil ihrer Abwehrstrategie politischen Widerstand anfachen könnte. Bud verfügt ihrerseits über Lobbyisten, zu denen Timmons and Co. und Van Scoyoc zählen.

Vielleicht steht zwar nicht gleich die nationale Sicherheit auf dem Spiel, aber Bud ist eine Marke, die zur amerikanischen Ikone geworden ist. Sie ist stark auf den amerikanischen Durchschnittsverbraucher angewiesen. Einen Feldzug einzuleiten, damit Bud amerikanisch bleibt, könnte bei Otto Normalverbraucher Anklang finden. Und allein die Vorstellung, eine von InBev kontrollierte Bud könnte von der Kerngruppe ihrer Konsumenten kalt gestellt werden, könnte den Finanziers des Deals großes Unbehagen bereiten.

Natürlich wäre eine Abwehrstrategie, die sich auf Fremdenfeindlichkeit und nicht auf den Shareholder Value stützt, fadenscheinig. Aber da das Gebot von InBev über 65 Dollar je Aktie offenkundig um so viel besser ist als alles, was das Bud-Management vorgeschlagen hat, könnte sie doch ihre hässliche Fratze zeigen. Politiker, denen es am Herzen liegt, den Ruf Amerikas als einen freien Markt zu verteidigen, sollten jeder Versuchung widerstehen, beim Thema Bier protektionistisch zu werden.

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