Übernahmekredite
Geduldige Geier

Alle warten ab. Die Investmentfonds, auf Notverkäufe spezialisierte Investoren und Hedge Fonds mit Schwerpunkt auf Krediten, die in den vergangenen zwei Monaten TXU, First Data und andere Übernahmekredite aufgeschnappt hatten, lehnen sich derzeit zurück. Für manche ist diese Zurückhaltung sinnvoll. Sie setzen darauf, dass die Schwäche auf dem Kreditmarkt zu besseren Konditionen führt.

Der November ähnelt mehr dem August als dem Oktober – zumindest auf dem Markt für hochverzinsliche Schuldtitel. Nach zwei Monaten, in denen die Banker genug Nachfrage zusammenkratzen konnten, um selbst Mega-Darlehen wie First Data und TXU abheben zu lassen, hat wieder die Ebbe eingesetzt. Die Bedingungen auf den Kreditmärkten haben sich auf breiter Front verschlechtert und damit maßgeblich zum Rückzug der Anleger beigetragen. Aber die Flaute hängt auch damit zusammen, wie die heutigen Kapitalgeber gestrickt sind.

Vor der Kernschmelze im Sommer waren die meisten Kredite von Collateralised Loan Obligations (CLOs) gekauft worden. Diese Zweckgesellschaften, die Verbriefungszahlungen in Form verschiedener Tranchen vornehmen, waren wiederum selbst von der Nachfrage der Investoren nach ihren strukturierten Wertpapieren abhängig. Jene Anleger sind nun fast ganz verschwunden. An ihre Stelle ist eine wechselnde Koalition von Investoren getreten, die auf Notverkäufe setzen, Investmentfonds, die risikobehaftete Hochzinsanleihen, also Junk Bonds, bevorzugen, Hedge Fonds, die sich auf Kredite konzentrieren, und eine Reihe weiterer, opportunistischer Marktteilnehmer, die nach vorrangigen Schuldtiteln zu guten Preisen suchen.

Im September und Oktober hatten diese Investoren, beflügelt durch die Zinssenkungen der US-Notenbank, Kredite mit nur moderaten Zinsabschlägen und Spreads von etwa 3,5 bis vier Prozentpunkten auf den Libor gekauft. Das hatte große Hoffnungen geweckt, dass die beiden für Anfang November angesetzten, großen Abschlüsse – ein Paket über 14 Mrd. Dollar für Alltel und eine Anleihe über zehn Mrd. Dollar für Chrysler Automotive – zusammen mit einer Handvoll kleinerer Fische, willige Abnehmer finden würden.

Dem war aber nicht so. Alltel hatte den Umfang zurückschrauben und einen größeren Zinsabschlag einräumen müssen als erwartet. Ihre Pläne, gleichzeitig Junk Bonds anzubieten, mussten auf Eis gelegt werden. Chrysler reduzierte das Volumen ihres Pakets ebenfalls.

Natürlich sind die Kreditmärkte insgesamt auf eine steile Talfahrt gegangen, seitdem die Banken im vergangenen Monat damit angefangen hatten, ihre Abschreibungen auf US-Hypothekendarlehen zweitklassiger Bonität für das dritte Quartal zu veröffentlichen. Und die Nachfrage nach Junk Bonds ist ganz am Boden. Allein in der vergangenen Woche haben Investoren rund 850 Mill. Dollar aus Fonds für hochverzinsliche Schuldtitel und Anleihen abgezogen. Aber gleichzeitig hat es den Anschein, als sei die neue Koalition der Kreditabnehmer auch wählerischer geworden.

Das ist verständlich. Da davon ausgegangen wird, dass sich die Lage auf den Kreditmärkten weiter verschärft, haben es die Investoren, die sich auf Notverkäufe konzentrieren, schließlich auch nicht sonderlich eilig, ihre Mittel anzulegen. Sie können in aller Ruhe abwarten, ob die Banken die Preise zurücknehmen – oder Schuldtitel auf dem Sekundärmarkt kaufen, wo die Preise nachgegeben haben. Dass diese Geier bereit sind, die Situation auszusitzen, könnte den Banken noch mehr Kopfzerbrechen bescheren.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%