Übernahmen
Finanzkrise: Investoren verlässt der Mut

Zu den Kollateralschäden, die die Kreditkrise anrichtet, zählen auch unerwünschte Übernahmen. In der vergangenen Woche haben Walgreen, United Technologies und Waste Management alle ihre feindlichen Offerten zurückgezogen. Das ist ein ziemlich genaues Stimmungsbarometer dafür, wie tief greifend die Finanzkrise die Jagdinstinkte Unternehmensbosse beeinträchtigt hat.

Wenn man von der Rhetorik der Präsidentschaftskandidaten ausgeht, dann könnte man den Eindruck bekommen, Wall Street und Main Street würden sich niemals treffen. Aber schauen wir einmal genauer hin. Können Sie die Drogerie dort an der Ecke sehen, wo Sie ihre Rezepte einlösen? Wie sieht es mit den Mülleimern aus, in die Ihre Kinder ihr Bonbonpapier werfen oder mit den Geldautomaten an fast jeder Ecke?

Auf Umwegen wird dieses Inventar, mit dem die typisch amerikanische Main Street ausgestattet ist, durch die Panik an der Wall Street ins Wanken gebracht. Allein in der vergangenen Woche haben einige der größten Unternehmen, die Geldautomaten installieren, Apotheken und Drogerien betreiben und den Müll Amerikas entsorgen, dabei zusehen müssen, wie sich unerwünschte Übernahmen vor ihren Augen in Luft aufgelöst haben - und zu einem großen Teil war dies auf die Fehlschläge der Märkte zurückzuführen, die die Käufer nervös und die Finanzierungen teurer gemacht haben.

Betrachten wir den Fall der kleinen Firma Diebold. Der in Ohio ansässige Hersteller von Geldautomaten hatte im Februar eine Bar-Offerte über 40 Dollar je Aktie von United Technologies, einem wild wuchernden Mischkonzern, der Helikopter, Klima-Anlagen und Jet-Turbinen produziert, zurückgewiesen. Monate lang hatte sich Diebold dem Werben mit der Begründung widersetzt, das Gebot sei zu billig. An diesem Wochenende hat United Technologies schließlich den Deal platzen lassen und damit die Diebold-Titel in den Keller geschickt.

Jetzt zur Drogerie an der Ecke. Während des Kursverfalls an den Aktienmärkten in der vergangenen Woche hat Walgreen ihre feindliche Offerte über 2,8 Mrd. Dollar für den Konkurrenten Longs Drug Store zurückgezogen. Longs hatte Verhandlungen mit Walgreens verweigert, da der Drogeriemarkt bereits einer Fusion mit CVS Landmark über 2,7 Mrd. Dollar zugestimmt hatte. Die Aktionäre von Longs bekommen ihren Deal wahrscheinlich trotzdem - aber da Walgreen sich verabschiedet hat, verlieren sie die Chance, CVS noch mehr Geld abzuringen.

Und dann ist da noch der Müll. Am Montag hat Waste Management ihre unerwünschte Übernahme-Offerte für Republic Services über 6,73 Mrd. Dollar abgeblasen und darauf verwiesen, ihre Bonitätsbewertung nicht gefährden zu wollen. Auch dies bedeutet nicht das Ende der Welt für die Aktionäre von Republic, denn das Entsorgungsunternehmen stand ohnehin schon in Gesprächen über eine Verbindung mit Allied Waste.

Trotzdem gibt es kaum ein besseres Stimmungsbarometer für die Jagdinstinkte unter den Führungskräften als die unerwünschte Übernahme-Offerte, denn sie gewährleistet in der Regel den besten für einen Unternehmensvermögenswert erhältlichen Preis. Den feindlichen Bietern die Reißzähne zu ziehen, ist nur einer der Wege, auf dem die Schwierigkeiten der Wall Street die Geschäfte auf der Main Street beschädigen.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%