Übernahmen
Freundliche Drangsalierer

Ein US-Fonds und eine französische Investmentgesellschaft wollen ihren Anteil an Accor auf 30 Prozent erhöhen und damit fast verdoppeln. Alles in freundlicher Absicht, behaupten sie. Die Hotelgruppe aber besteht auf einem eindeutigeren Freundschaftsbeweis, bevor sie der Forderung der Investoren nach mehr Sitzen im Verwaltungsrat nachkommt. Die Vorsicht ist angebracht.

In der französischen Unternehmenswelt herrscht eine ganz eigene Vorstellung von Freundschaft. Das Muster ist immer gleich: Da kommt ein aktivistischer Aktionär, der einen großen Anteil an einem Unternehmen übernehmen will, mit dem Olivenzweig in der Hand herein und betont seine überaus freundlichen Absichten. Im Gegenzug jubelt das Management des betroffenen Unternehmens über einen solchen Beweis des „Vertrauens“ in seine Zukunft. Und dann, wenn die „freundlichen“ Formalitäten erst einmal ausgetauscht sind, kann der Kampf beginnen.

Nehmen wir die französische Investmentgesellschaft Eurazeo und den US-Immobilienfonds Colony Capital. Die beiden haben in dieser Woche ihre Absicht erklärt, ihren gemeinsamen Anteil an der Hotelgruppe Accor auf 30 Prozent zu erhöhen und damit fast zu verdoppeln. Das Unternehmen, so argumentieren sie, sei im Vergleich zu seinen Konkurrenten ernsthaft unterbewertet. Gleichzeitig überschlagen sich die beiden Fonds, um zu bekräftigen, wie sehr sie doch mit der Strategie des Accor-Chefs Gilles Pelisson einverstanden sind. Pelisson genießt ihre Unterstützung, seitdem Colony, die zuerst im Mai 2005 in das Unternehmen investiert hatte, dazu beigetragen hatte, ihn ein paar Monate später auf den Chefsessel zu hieven.

Pelisson hatte eine Strategie der “schlanken Vermögenswerte” angeschoben und Hotelgebäude und andere Anlagen verkauft, um sich auf das Hotelmanagement und Dienstleistungen zu konzentrieren. Das Hauptaugenmerk liegt dabei auf Restaurant-Gutscheinen, die ein Drittel der Gewinne von Accor bei nur etwas über zehn Prozent des Umsatzes einbringen. Das hat eine Zeit lang auch funktioniert. Der Accor-Kurs war in weniger als zwei Jahren um 70 Prozent gestiegen. Aber seit dem Höchststand im April 2007 ist der Kurs um 25 Prozent gefallen.

Eurazeo und Colony werden langsam ungeduldig. In aller Freundschaft weisen sie darauf hin, dass Accor momentan gegenüber den Konkurrenten mit einem Abschlag gehandelt wird und dass, nebenbei bemerkt, der Bereich Restaurant-Gutscheine von den Märkten anscheinend nicht angemessen bewertet wird. Aber die Fonds gehen nicht so weit zu sagen, was ihrer Meinung nach getan werden muss.

Sie verlangen vier Mitglieder im Verwaltungsrat anstatt der zwei Sitze, die sie gegenwärtig innehaben. Das würde den Umfang ihrer Investitionen widerspiegeln. Mit 17 Mitgliedern ist der Verwaltungsrat von Accor offenkundig nicht in die „schlanke“ Strategie von Pelisson mit einbezogen worden. Das Gremium in seiner jetzigen Zusammensetzung hat nach eigenem Bekunden nichts gegen ein solch freundliches Ansinnen einzuwenden. Aber es will sicherstellen, dass keine schleichende Übernahme stattfindet. Diese Bedenken sind vernünftig. Colony und Eurazeo mögen zwar ihren Worten auch Taten folgen lassen, aber es wäre – unter Freunden - doch gut zu wissen, welche Taten überhaupt erwünscht sind.

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