Übernahmen
Schneckentempo oder Sprint

Hellman & Friedman hat seit Beginn der Kreditkrise zwei Milliarden-Deals angekündigt. Damit steht der Finanzinvestor besser da als so mancher Spitzenfonds. Das Rezept ist einfach: sich nicht überheben und Abschlüsse im Alleingang vornehmen. Das scheint in diesen harten Zeiten zu funktionieren.

Hellman & Friedman (H&F) hat in den vergangenen Jahren einen anderen Weg eingeschlagen als die Konkurrenz. Statt einen Mega-Fonds über 20 Mrd. Dollar aufzulegen, hat die Beteiligungsgesellschaft nur acht Mrd. Dollar eingesammelt. Während des Übernahme-Booms hat sie sich bei Riesen-Abschlüssen zurückgehalten. In dem Jahr bis zur Kreditkrise im vergangenen August hatte das Private-Equity-Haus Transaktionen im Wert von nur sieben Mrd. Dollar zuzüglich Verbindlichkeiten angekündigt, berichtet Dealogic. Die Konkurrenten KKR und Blackstone gaben Deals von jeweils gut über 100 Mrd. Dollar bekannt.

Der konservativere Ansatz von H&F könnte die Firma in eine bessere Ausgangposition gebracht haben, wenn es in schwierigen Zeiten darum geht, sich Abschlüsse unter den Nagel reißen. Seit August hat die Firma mehr Transaktionen über mehr als eine Mrd. Dollar zusammengebracht als ihre Mega-Fonds-Konkurrenten. Vor kurzem hat H&F den Buyout von Goodman Global über zwei Mrd. Dollar abgeschlossen. Am Montag hat sie die Übernahme des Fotoarchivs Getty Images über mehr als zwei Mrd. Dollar angekündigt. Blackstone und KKR haben in der Zwischenzeit jeweils nur eine einzige Übernahme in Milliarden-Volumen bekannt gegeben. Ein Teil des Problems könnte darin liegen, dass die größeren Beteiligungsfirmen durch die Schwierigkeiten mit ihren Mega-Deals abgelenkt werden, die sie in den letzten goldenen Tagen vor der Kreditkrise eingegangen waren.

H&F hat bei ihren jüngsten Abschlüssen davon profitiert, dass die Bewertungen niedriger waren als noch vor einem Jahr. Die Konkurrenten waren so stark damit beschäftigt, sich aus überteuerten Mega-Deals zurückzuziehen, dass sie gar nicht mehr dazu gekommen sind, eine Gegenofferte auf den Tisch zu legen. (Zufällig hat H&F jüngst auch einen Deal von mehr als einer Mrd. Dollar zum Abschluss gebracht, der noch vor der Kreditkrise vereinbart worden war).

Es ist sinnvoll auch in schlechten Zeiten zu investieren, so wie es H&F tut. Dabei wird in Kauf genommen, dass die Finanzierungsbedingungen zuletzt nicht so günstig waren wie die, die andere für ihre Abschlüsse Ende 2006 und Anfang 2007 vereinbart haben. H&F musste vermutlich deutlich mehr Eigenkapital aufbringen. Das könnte die Rendite schmälern. Letztlich wird es aber noch eine Weile dauern, bis abschließend geklärt werden kann, welche Strategie die bessere war. Der Schneckengang von H&F oder die Hau-drauf-Strategie der Mega-Fonds.

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